Leckeres aus deutscher Küche

Jazzkantine begeisterte mit Volksliedern und Rap im Theaterstübchen

Volkslieder im coolen Gewand: Gitarrist Tom Bennecke (links) und Rapper Cappuccino von der Jazzkantine. Foto: Fischer

Kassel. Ein leckerer Graupen-Soul-Auflauf mit geraspeltem Rap-Muskat und frischem Blätter-Funk gefällig? Dieses Spezialgericht gibt es nicht bei Mälzer oder Schuhbeck, sondern nur in der Jazzkantine von Bassist Christian Eitner und seinen Bandkollegen. Serviert wurde im voll besetzten Kasseler Theaterstübchen.

Und es gab viel Applaus für die zehn musikalischen Köche, die schon seit 20 Jahren mit komplexen Rezeptideen durch die Republik touren. Diesmal präsentierte man Volkslieder, also Variationen der traditionellen deutschen Küche und bewies, dass man auch hoch auf dem gelben Wagen nicht nur von der Bratwurstbude bis zum Bierzelt pendeln muss.

Schon bei der „Bi-Ba-Butzemann“-Vorspeise wurde angedeutet, was das Inventar so hergibt. Funky Bläsersätze, pulsierende Gitarrenriffs, wuchernde Keyboardakkorde, treibende Soli - die Jazzkantine war schon immer die Melodie der deutschen Rapmusik. Und Gentleman-Rapper Cappuccino schon immer die smarte Schnittstelle zwischen Entertainment und Underground.

Er und sein Kollege Tachiles sind sehr old school und versuchen erst gar nicht, sich mit Aggro-Attitüde an die Aktualität anzudocken. Da wird lieber improvisiert und philosophiert, ohne sich dauernd in den Schritt zu fassen.

Und auch ihre Hits lassen nicht auf sich warten. „Respekt“, „Kein Bock“ und „Ich mach dich Krankenhaus“ bringen noch immer Spaß, da sie sich einer zeitlosen James-Brown-Rhythmik bedienen. Dagegen sollte „Kein schöner Land“ von der Speisekarte gestrichen werden und „Im Frühtau zu Berge“ als Ballermann-Kracher in Fettdruck erscheinen.

Die Lounge-Versionen von „Highway To Hell“ und „Jump“ hat man wohl der Sängerin Sam Leigh Brown zuliebe in das Programm genommen, und mit „Du liegst mir am Herzen“ gab es eine wunderschöne Liebesballade zu bestaunen. Der Sound hätte etwas mehr Druck benötigt, um für richtig Bewegung im Publikum zu sorgen. Doch Nostalgie lässt die Gefühle in der Erinnerung tanzen, auch wenn man nur zuhört.

Von Andreas Köthe

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