In die Leere gekippt - die Tatort-Kritik

Aufwühlend ging dieser „Tatort“ los, in den ersten Minuten gab es Hochspannung, Verwirrung, eine Schießerei aus dem Nichts, ein toter Ex-Häftling. Gelungener Start für „Bluthochzeit“ von Stefan Dähnert (Buch) und Patrick Winczewski (Regie).

Dieses Niveau konnte über die 90 Minuten allerdings nicht ganz gehalten werden. Aber was am 18. Einsatz für Eva Mattes’ Klara Blum das Besondere war und wofür dieser SWR-„Tatort“ im Gedächtnis bleiben wird, waren die stillen Momente. Die Stimmungsumschwünge aus der Euphorie ins Leere. Mehrere derartige gab es.

Wie Klara Blum nach ihrem todbringenden Schuss-Zögern in eine wortlose Verzweiflung hineinrutschte, quasi aus der umtriebigen Welt wegschlüpfte in innere Erstarrung - das war schauspielerisch und bildgestalterisch toll umgesetzt. Ebenso die ausgelassene Truppe der Brautentführer.

Zwar waren diese Figuren zu schematisch aufgebaut, jeder bekam brav seine Aura des Verdächtigseins. Außerdem dauerten das Besäufnis, die Autofahrt, der Aufstieg zur Hütte viel zu lang, während man als Zuschauer noch zu wenig wusste, was eigentlich gespielt wird. Aber wie dann die fröhliche Saufstimmung kippte in die plötzliche Ernüchterung, in die Gewissheit, zu weit gegangen zu sein, das war wirklich sehenswert.

Von Bettina Fraschke

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