Lego, Überraschungseier, Lillifee: Warum die Farbe Rosa nervt

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Die pinkfarbene Welle: Auf dem Berliner Alexanderplatz eröffnet am Donnerstag das Barbie Dreamhouse – natürlich in Rosa (links). Mädchenheldin Prinzessin Lillifee trägt schon immer pink. Und selbst Überraschungseier gibt es mittlerweile in der vermeintlichen Mädchenfarbe.

Pinkfarbene Legosteine, Schulranzen, Überraschungseier und jetzt sogar ein Barbie-Haus in Berlin: Matthias Lohr, Vater und Redakteur der HNA-Kulturredaktion, schreibt aus Elternsicht über die Farbe Rosa - und findet, dass sie nervt.

Als es darum ging, mit welcher Farbe wir ihr Kinderzimmer streichen, drohte unsere Tochter auszuziehen. Sie war damals fünf und wollte nicht akzeptieren, dass es auch andere Wandfarben außer Rosa gibt. Wir mussten kapitulieren.

Über manche Dinge lässt sich einfach schlecht reden, wie man dieser Tage auch in Berlin sieht. Der Spielzeughersteller Mattel eröffnet am Donnerstag ein begehbares Barbie-Haus auf dem Alexanderplatz. „Barbie – The Dreamhouse Experience“ ist eine 2500 Quadratmeter große Rosa-Erlebniswelt und ein Politikum. Auf Facebook fordert die Linksjugend Kreuzkölln „Occupy Barbie Dreamhouse“. 1700 Menschen haben sich dem Protest gegen die „Pinkifizierung“ bereits angeschlossen.

Abgesehen davon, dass Barbie ein Mutant ist und eine echte Frau mit ihren Maßen niemals unfallfrei gehen könnte, ist die Berliner Debatte der vorläufige Höhepunkt einer rosa Farbwelle, die alle kindlichen Lebensbereiche erreicht hat – zumindest die der Mädchen.

Es gibt pinkfarbene Legosteine und Schulranzen, Ferrero hat ein rosa Überraschungsei auf den Markt gebracht, und die wichtigste Vertreterin des geschlechterspezifischen Farbwahns ist Prinzessin Lillifee. Mit dem charakterlosen Wesen macht der Coppenrath-Verlag aus Münster einen Großteil seines jährlich 75 Millionen Euro betragenden Umsatzes.

Angefangen hat alles mit einem Kinderbuch der Autorin Monika Finsterbach, die etwas „positiv Mädchenhaftes“ schaffen wollte. Mittlerweile gibt es mehr als 300 Produkte rund um Lillifee – vom Kinofilm bis zum Anti-Ziep-Shampoo. Der als „Prinzessin verkleideten Kampfdrohne der Spielzeugindustrie“, wie sie der Journalist Alex Rühle nennt, kann man nicht entkommen, selbst wenn man sie dem eigenen Kind verböte. Omas oder Tanten schenken früher oder später doch irgendein Lillifee-Produkt.

Meine Frau hat früher auch mit Barbies gespielt, und es hat ihr, glaube ich, nicht geschadet. Aber diese Pinkifizierung nervt, und sie „macht Mädchen dümmer“, wie die Zeitschrift „Emma“ behauptet. Die Geschlechterforscherin Stevie Schmiedel hat die Seite Pinkstinks.de gegründet. Dort kritisieren Feministinnen, dass Mädchen mit Lillifee und Barbie lernen, sich süß, schick und zu einem Produkt für eine Gesellschaft zu machen, deren Schönheitsbild von dürren Frauen bei „Germany’s Next Topmodel“ bestimmt wird.

Pinkes Überraschungsei für Mädchen.

Die Textil- und Spielzeugindustrie freut sich über die Pinkifizierung: Sie kann alle Produkte doppelt verkaufen – in Rosa für Mädchen und Blau für Jungs. Über Geschlechtergrenzen hinweg können Sachen kaum noch vererbt werden. Dabei galt Pink Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA noch als Jungenfarbe – sie wirke energischer und entscheidungsfreudiger.

Psychologen haben zudem festgestellt, dass Rosa sanft macht. In Pfäffikon in der Schweiz gibt es ein Gefängnis, das besonders gewaltbereite Häftlinge in rosa Zellen sperrt – nach einigen Tagen sollen sie friedlich sein. Nur wieso klappt das bei unserer Tochter nicht?

Von Matthias Lohr

Unser Autor ist von der Lieblingsfarbe seiner Tochter genervt. Wie finden Sie Rosa?

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