Lettischer Regisseur Hermanis sagt Hamburger Thalia-Theater ab

Er lehnt Flüchtlinge ab: Regisseur Alvis Hermanis

Abgesagt: Alvis Hermanis. Foto: dpa

Hamburg. Aus Protest gegen das Eintreten des Thalia-Theaters für Flüchtlinge hat der lettische Theaterregisseur Alvis Hermanis (50) eine für April 2016 geplante Inszenierung in Hamburg abgesagt. Er halte das humanitäre Engagement für falsch und wolle damit nicht in Verbindung gebracht werden, begründete Hermanis seine Absage nach Angaben des Thalia-Theaters.

Die deutsche Begeisterung, die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen, sei extrem gefährlich für ganz Europa, weil unter ihnen Terroristen seien, sagte Hermanis. Wörtlich erklärte der europaweit renommierte Theatermann: „Zwar sind nicht alle Flüchtlinge Terroristen, aber alle Terroristen sind Flüchtlinge oder deren Kinder.“

Intendant Joachim Lux teilte mit, er bedauere die politisch begründete Absage. Der Vorgang zeige, wie tief Europa derzeit gespalten sei. „Wir hätten nie für möglich gehalten, dass humanitäres Engagement für Hilfsbedürftige zur Aufkündigung der Zusammenarbeit führen könnte“, sagte Lux. Außerdem verstehe sich das Thalia als Ort des offenen gesellschaftlichen Diskurses und gebe in zahlreichen Debatten dem größtmöglichen politischen Spektrum Raum, heißt es weiter in der Stellungnahme.

Derzeit läuft im Thalia das Stück „Späte Nachbarn“ in der Inszenierung von Hermanis. Dieses Stück soll jedoch im Spielplan bleiben – aus Respekt vor seinem Werk, wie es in der Erklärung des Theaters heißt.

Hermanis, der zurzeit in Paris inszeniert, sagte dort, wir befänden uns momentan im Krieg, und da müsse man sich für eine Seite entscheiden. Im Sommer 2018 soll Hermanis bei den Bayreuther Festspielen Richard Wagners „Lohengrin“ inszenieren. (dpa/w.f.)

Lesen Sie dazu auch den  Kommentar zur Absage von Regisseur Hermanis: Ins Rutschen geraten.

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