Das New York Quartett von Pianist Johannes Mössinger begeisterte im Theaterstübchen

Leicht und unbekümmert

Konzentriertes Spiel: Johannes Mössinger am Piano, Joel Frahm am Saxofon und Calvin Jones am Kontrabass. Foto: Malmus

Kassel. Mit Ende dreißig machte Johannes Mössinger zum ersten Mal mit einem Soloalbum auf sich aufmerksam. Heute, zehn Jahre später, zählt er zu den bemerkenswertesten deutschen Jazzpianisten. Bis in den Nahen Osten und in die USA führen ihn seine Tourneen – und seit Jahren auch in das Theaterstübchen nach Kassel. „Auch wegen des guten Essens in der Osteria gegenüber“, flachste Theaterstübchenchef Markus Knierim am Dienstag zur Begrüßung.

Der Club war wieder mal bestens gefüllt. Mit dem Saxofonisten Joel Frahm, dem Kontrabassisten Calvin Jones und dem Schlagzeuger Karl La-tham, alle drei aus New York, hat sich der 48-Jährige zu einem Quartett formiert, das von Kritikern gefeiert wird.

Was den Jubel ausmacht? Die Ausstrahlung ihrer Kompositionen, könnte man pauschal sagen. Zum einen verträumt-verspielte Stimmungsbilder, durchzogen mit quirlig- eloquenten Saxofonläufen, kreativem Schlagzeug und wärmenden Basssequenzen.

Zum anderen die genial zelebrierten Stimmungswechsel. Es ist ein Genuss, Mössingers Klavierspiel zu lauschen. So leicht, so unbekümmert schwerelos, mal auch etwas melancholisch und dennoch voller Disziplin und Entschiedenheit strukturiert. Lange Moderationen sind nicht sein Ding. Nach einem kurzen Plausch mit dem Publikum – „War es bei euch auch so heiß am Monatsanfang? Wir sind bei einem Konzert in Karlsruhe fast davongeschwommen“ – stürzt sich der gebürtige Karlsruher wieder auf die Tasten. Nun folgen auf gegen den Strich gebürstete Harmonien Sequenzen mit stürmischem Hochgeschwindigkeits-Jazz. Doch nur kurz.

Dann dominieren wieder diese wunderbar leisen, sensiblen Stimmungen, bei denen das Saxofonspiel von Frahm seine ganze Vielseitigkeit und Klasse entfaltet, Schlagzeuger Latham auch experimentell arbeitet und Jones seinen Kontrabass Geschichten erzählen lässt. Ein Genuss auch die Sequenzen, bei denen sich nur zwei Musiker die Bühne teilen. Klavier und Saxofon, Klavier und Bass, Klavier und Schlagzeug. Fazit: Ein bemerkenswertes Konzert. Viel Applaus

Von Steve Kuberczyk-Stein

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