Eric Bibb, Jean-Jacques Milteau und Larry Crockett wurden im Kulturzelt gefeiert

Leichter Sommer-Blues

Boten ein leises, aber konzentrierte Blues-Konzert im Kulturzelt: Jean-Jacques Milteau (links) und Eric Bibb. Nicht im Bild: Schlagzeuger Larry Crockett. Foto: Lutz Engelhardt

KASSEL. Wegen einer Sturmwarnung war der erste Konzerttermin vor einer Woche abgesagt worden, am Sonntagabend kamen die Blues- und Americana-Fans nun verspätet in den Genuss, den in Stockholm lebenden US-Amerikaner Eric Bibb sowie den Franzosen Jean-Jacques Milteau und „Mr. Sticks“ Larry Crockett im gut gefüllten Kulturzelt zu erleben.

Draußen tobte hörbar der Zissel, und als Kontrastprogramm boten die drei Musiker ein fast kammermusikalisch zu nennendes, eher leises Blueskonzert, das zum konzentrierten Zuhören zwang. Akustische Gitarre, Mundharmonika und ein rudimentäres Schlagzeug bildeten die instrumentale Minimalbasis für das puristische Trio, um sein Tribute-Programm für die Blues- und Folklegende Leadbelly über anderthalb Stunden vorzutragen.

Leadbelly hatte viel Zeit im Rotlichtmilieu verschiedener Städte und in Gefängnissen verbracht, bevor er als Musiker Anerkennung fand. Stücke wie „Goodnight Irene“, „Midnight Special“, „Going down slow“ und „House of the rising sun“ präsentierte Eric Bibb mit wunderbar samtweicher Stimme, ohne Rauheit, wie man sie bei vielen Bluesern fast zwangsläufig erwartet. Der große Mann mit dem weißen Hut begleitet sich dabei mit unaufdringlichem Akkord- und Fingerpicking-Spiel auf sechs- und zwölfsaitiger Gitarre.

Ebenso reduziert, aber pulsierend und schiebend das Schlagzeugspiel von Larry Crockett, der sogar ein Buch über „Sex & Drumming“ geschrieben hat. Ein Highlight waren jedes Mal die verblüffenden Mundharmonika-Soli von Jean-Jacques Milteau, der seinen zahlreichen Instrumenten erstaunliche Klänge und Tonfolgen zu entlocken vermochte, was häufig mit spontanem Szenenapplaus quittiert wurde.

Zum Konzertende steigerte die Band ihre Spielintensität und einige Gäste wagten ein zaghaftes Tänzchen. Das Trio wurde mit Standing Ovations gefeiert und erst nach drei Zugaben von der Bühne gelassen.

Von Wolfgang Wollek

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