Gershwin und Schostakowitsch mit dem Kasseler Sinfonieorchester unter Jürgen Oßwald

Leichtigkeit mit Anspruch

Funkelnde Darbietung: Das Kasseler Sinfonieorchester überzeugte bei seinem Auftritt in der Stadthalle. Foto: Malmus

Kassel. Außer den Konzerten des Staatsorchesters und gelegentlichen Auftritten des hr-Sinfonieorchesters aus Frankfurt ist der Pegel von anspruchsvollen Sinfoniekonzerten in der Stadt derzeit leider nahezu null. Da füllt das Kasseler Sinfonieorchester, seit fast dreißig Jahren von Jürgen Oßwald geleitet, mit seinen Konzerten die Lücke zumindest ein wenig. Und das auf eine sehr respektable Weise, wie das begeisterte Publikum am Sonntagabend im ausverkauften Blauen Saal der Stadthalle erleben durfte.

Interessant war das Konzert, das tags zuvor schon in Melsungen gegeben worden war, auch deshalb, weil es drei Programmpunkte bot, die nicht unbedingt zum Gängigen zu zählen sind. Ein Amerikaner und ein Russe trafen aufeinander, getrennt durch die Pause, vereint aber durch den Versuch, ganz unabhängig von der Avantgarde ihrer Zeit unterhaltende Musik auf hohem Niveau zu bieten.

Geniale Streiche

Von George Gershwin gab es „Ein Amerikaner in Paris“ und die „Rhapsody in Blue“. Beide Werke sind geniale Streiche, was Leichtigkeit mit Anspruch angeht. Jürgen Oßwald hatte die Sache gut vorbereitet und durchaus analytisch durchdrungen. Er schlug streng durch und arbeitete jedes wichtige Detail heraus, sodass eine gelungene und ausgewogene Interpretation entstand. Bei der „Rhapsody“ hatte Hellmuth Vivell, Kassels pianistisches Allzweckmittel, den schwierigen Solopart übernommen und spielte ihn mit Esprit und künstlerischer Souveränität.

Dann Ohrwurmalarm, denn von Dimitri Schostakowitsch erklang die zweite „Suite für Jazzorchester“ (eigentlich „Suite für Varietéorchester“) aus dem Jahr 1955, von der man meist nur den dritten Walzer mit seinem betörenden Saxofonsolo kennt. Doch jeder der acht Tanzsätze ist eine meisterhafte Miniatur, worin alle beteiligten Instrumente zu Geltung kommen. Genau dies geschah auch bei „KSO“. Vor allem die Bläser waren erstaunlich gut besetzt und hatten keine Schwierigkeiten, sich in Szene zu setzen, sodass sich eine runde, beschwingte, wirklich funkelnde Darbietung ergab.

Von Johannes Mundry

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