Leidenschaft und Sensibilität: Das Eastern World Trio im Opernfoyer

Brahms in der „gekämmten“ Version: (von links) Katalin Hercegh (Violine), Xin Tan (Klavier) und Eugene Lifschitz (Violoncello) im Opernfoyer. Foto: Hedler

Kassel. So selbstkritisch sind wohl nur die ganz Großen: Als 21-Jähriger schrieb Johannes Brahms sein jugendlich überschwängliches, reizvoll chaotisches Klaviertrio H-Dur op. 8.

An die 35 Jahre später überarbeitete er das genialische Werk dann grundlegend, um ihm „ein wenig die Haare zu kämmen“, wie er sich mit dem ihm eigenen Understatement ausdrückte.

Diese reife Zweitfassung spielte das neu gebildete Eastern World Trio bei seinem eindrucksvollen Kammerkonzert im prächtig gefüllten Opernfoyer. Geigerin Katalin Hercegh, Cellist Eugene Lifschitz und Pianist Xin Tan musizierten den „gekämmten“ Brahms mit viel Leidenschaft, doch ohne die Feingestaltung zu vernachlässigen.

Am Beginn stand eine gesangliche, Schubert-nahe Melodie - Eu-gene Lifschitz, Solocellist des Staatsorchesters, ließ sie mit seinem klaren, sensitiven Ton in zarter Schönheit erblühen. Was die drei Musiker darauf boten, war eine wahre romantische Reise: farbenreich, dynamisch und in unversöhnlichem h-Moll endend.

Duftende Klangmagie dann in dem ebenso genialen Klaviertrio von Maurice Ravel. Die Musiker schärften wieder die Kontraste, auch des Tempos, und dabei auch innerhalb eines Satzes. Eine schwebende, dann wieder virtuos funkelnde Klangwelt entstand. Die wunderbare „Passacaille“ war Musik von geheimnisvollem Zauber und zeitentrückter Archaik.

Zuletzt ein tolles Werk zwischen „ernstem“ und „unterhaltendem“ Fach: Astor Piazzollas „Die vier Jahreszeiten von Buenos Aires“. Pianist Xin Tan, technisch wie rhythmisch topfit, legte die Basis für die mit Schmackes gespielten Nuancen der Streicher Katalin Hercegh und Eugene Lifschitz. Nach langem Beifall hätten sich die 220 Zuhörer wohl noch über eine Zugabe gefreut.

Von Georg Pepl

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