Der französische Künstler Philippe Huguet sang beim Weltmusikfestival Werke von Jacques Brel

Ein leidenschaftliches Talent

Einfühlsam: Der französische Künstler Philippe Huguet ging in seiner Rolle als Jacques Brel vollkommen auf. Begleitet wurde er von Christian Maurer am Flügel. Foto: Fischer

Kassel. Philippe Huguet heißt der Mann, der am Samstag zum Ausklang des 14. Kasseler Weltmusikfestivals Jacques Brel wieder auferstehen ließ. Was man einst über das Original sagte, gilt auch für Huguet: Er singt keine Chansons, er lebt sie. Mit großen Gesten, atemlos ins Mikro geschleuderten Wortkaskaden und fulminanter stimmlicher Energie.

Der gebürtige Franzose, der in Mannheim Operngesang studierte, intonierte nicht nur, er spielte Brel. Ob Gesang, Gestus oder Ansagen, Huguet blieb in seiner Rolle: Er war Brel, der mal leidenschaftliche, frivole, saloppe oder provokante Künstler, den die Urgewalt der Liebe zum Schwärmen, Aufbrausen oder Klagen brachte

So waren auch Huguets Texte, die er auszugsweise und auf Deutsch den Liedern voranstellte, tief ausgefühlte und ausdrucksvoll dargestellte Momente: Die Umarmung für Paris (Les prenoms de Paris), die Ironie des Verliebten in „Le prochain amour“: „Ich weiß, die nächste Liebe ist die nächste Niederlage. Aber es tut gut, verliebt zu sein“. Das Flehen um Liebe in „Ne me quitte pas“ – „Geh nicht fort von mir“ - ein magischer Höhepunkt. So intensiv, so leidenschaftlich verloren – manchen Zuhörer sah man das Taschentuch zücken.

Stimmungswechsel: Nun brachte Huguet das Publikum zum Lachen. Über den Zyniker Brel, der genussvoll mit dem Gedanken spielt, den Liebhaber seiner Frau umzubringen: „Comment tuer l’amant de sa femme“ oder den naiven Verliebten, der Abend für Abend vergeblich auf „Madeleine“ wartet.

Großes Lob auch für Huguets Partner Christian Maurer, der ihn einfühlsam am Flügel begleitete. Ein Ausnahmekonzert für und von einem Ausnahmekünstler. Als Zugabe: „Amsterdam“.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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