Das Wuppertaler Von der Heydt-Museum stellt den Maler Pierre Bonnard vor

Wo die Leinwand glüht

Intime Momente: Eines von Pierre Bonnards Gemälden aus dem Bad, „La Toilette Serviette“, aus einer New Yorker Privatsammlung. Foto: Von der Heydt-Museum/nh

Wuppertal. Kaum ein Maler dürfte so viel gereist sein wie Pierre Bonnard (1867 - 1947), dem das Von der Heydt-Museum Wuppertal eine beeindruckende Ausstellung widmet. Sie stellt diesen ruhelosen „Magier der Farbe“ mit mehr als 180 Gemälden, Zeichnungen, Grafiken und Fotos in seinem gesamten Schaffen (auch als Illustrator, Bildhauer, Grafiker und Plakatgestalter) und mit seinen vielfältigen Bezügen zu Künstlerkollegen wie Monet und Matisse vor.

Von ungezählten Aufenthalten am Atlantik und an der Côte d’Azur, von Reisen nach Algerien, Russland und in die USA, nach Italien, Spanien und in die Benelux-Staaten, nach Berlin und Hamburg berichten die Schautafeln. Das Häuschen, das er 1911 in Vernonnet in der Normandie erwarb, nannte er „Ma Roulotte“, Wohnwagen, als nur zeitweiligen Aufenthaltsort. 1926 kaufte er, fasziniert von südlicher Sonne und Vegetation, zusätzlich ein Haus in Le Cannet nahe Cannes. Und in Paris war Bonnard sowieso oft.

Immer hatte Bonnard seinen Bleistift dabei, manchmal genügte auch ein abgebranntes Streichholz für Skizzen, die er zu Gemälden überbordender Farbigkeit ausarbeitete: Rudernde auf der Seine, Strände, Häfen, die Betriebsamkeit auf den Pariser Boulevards, die er aus Cafés rund um den Montmartre beobachtete. Es sind bekannte Motive der Epoche.

Der Post-Impressionist war aber auch ein Maler sehr privater Momente, von Familienszenen, Kindern, Mahlzeiten beim dezenten Schein einer Lampe. Oft sind Perspektive und Ausschnitt ungewöhnlich, wie bei Schnappschüssen der noch neuen Fotografie oder wie bei den japanischen Farbholzschnitten (Japonismus), die Bonnard so sehr schätzte, dass ihm das Etikett „très japonais“ angeheftet wurde. Spiegel und Fenster gewannen an Bedeutung, als wolle er die Verbindungen und die Wechselwirkung von Innen- und Außenwelt stets aufs Neue erkunden.

Viele Bilder entstanden im Ankleidezimmer (Boudoir) oder im Bad. In der Aktmalerei war Bonnard, der zunächst Jura studiert hatte, an der Akademie natürlich ausgebildet worden. Dass ihm die Ankleide-Gemälde wichtig wurden, hatte aber biografische Gründe: Ob seine Lebensgefährtin Marthe (eigentlich Maria), eine Schneiderin, die er 1893 kennengelernt hatte und 1925 heiratete, nun wegen gesundheitlicher Beschwerden täglich Bäder nahm oder an Waschzwang litt, wie manche Autoren vermuten - man spürt, dass die Gemälde ohne Anstrengung entstanden, ohne Posen. Bonnard ist ein unauffälliger Beobachter, der eben zufällig bei alltäglichen, intimen Verrichtungen zuschaut.

Manchmal schleicht sich in die Farbenpracht der Interieurs, Stilleben und Landschaften ein Moment von Melancholie, unterschwellige Schwermut. Seinem Tagebuch vertraute er an: „Der singt, ist nicht immer glücklich.“

Bis 30.1., Katalog: 25 Euro. Eintritt: 12 (10) Euro. Infos: Tel. 0202/5636231, www.bonnard-ausstellung.de

Von Mark-Christian von Busse

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