Leise, laut und lustig: Simon & Jan in Vellmar

Moralisch ohne Zeigefinger: Simon (links) und Jan. Archivfoto: nh

Eigentlich wollten Simon Eickhoff und Jan Traphan Lehrer werden. Zum Glück stehen sie nun als Musikkabarettisten auf der Bühne. Für ihren Auftritt in Vellmar gab es eine 1.

Vellmar. An dem Musikkabarett-Duo Simon & Jan hätte man auch dann seine Freude, wenn man kein einziges Wort seiner sehr komischen Texte verstehen würde. Musikalisch sind die Gitarristen Simon Eickhoff und Jan Traphan so etwas wie die deutschen Kings of Convenience. Die wurden vor 15 Jahren berühmt mit sanften Folk-Liedern über die Liebe und ihrem Albumtitel: „Leise ist das neue Laut.“

Die beiden Oldenburger verstehen sich ebenfalls auf wohlige Harmoniegesänge und perfektes Fingerpicking an der Akustikgitarre, aber sie können auch böse sein, wie sie am Samstag mit ihrem Programm "Ach Mensch" vor 110 Besuchern im vollen Vellmarer Piazza bewiesen. Ihre Lieder handeln nicht von schönen Frauen, sondern von kotzenden Kaninchen, die wir uns bei Youtube reinziehen, weil wir so allein sind, obwohl wir doch Hunderte Facebook-Freunde haben.

Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu widmen Simon und Jan eine wütende Tirade, weil sie Werbung für McDonald’s machen. Dabei reimen sie Held auf Geld. Sie können beides: leise und laut sein. Und sie können ohne mahnenden Zeigefinger moralisch sein. Bei allem Blödsinn haben die ehemaligen Lehramtsstudenten immer eine Botschaft.

Einmal lassen sie den ganzen Saal den Refrain „Titten und Ärsche“ singen, was lustig ist, aber eben auch eine Kritik an einer sexualisierten Gesellschaft. Nach viel Jubel covern sie am Ende mit dem Pianisten Andi Rüttger, der als Support auf der Bühne stand, einen Hit der Anarcho-HipHopper Deichkind. Plötzlich klingt das laute „Krawall und Remmidemmi“ ganz leise - und schön.

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