In Extremo traten in der Kasseler Stadthalle auf

Leise rieselt hier Blut statt Schnee

Leidenschaftlich: Michael Rhein, genannt Das Letzte Einhorn, beim Auftritt in Kassel. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Dumpf stampft das Schlagzeug, Bass und E-Gitarren liefern dunkle Rockrhythmen dazu, zwei Sackpfeifen machen den Heavy-Metal-Sound zum Mittelalterrock, mit dem die Thüringer Band In Extremo seit 15 Jahren erfolgreich ist.

Am Dienstagabend traten die sieben Spielmänner in der Stadthalle auf. Sie spielten einige Songs ihres neuen Albums „Sterneneisen“, das im Februar erschienen ist und sich mehrere Wochen auf Platz eins der Charts hielt, so wie viele Songs ihrer Vorgängeralben, bei den Fans ja meistens die beliebtesten.

Die fast durchweg schwarz und in In-Extremo-T-Shirts und -Pullover gekleidete Fangemeinde freute sich so besonders über das Stück „Liam“ vom 2005er-Album „Mein rasend Herz“, das die traurig-romantische Geschichte eines Mädchens erzählt, das ihren Liebsten auf See verliert. Begeistert aufgenommen wurde auch „Vollmond“ vom Album „Sünder ohne Zügel“ (2001), eine Liebeserklärung an das weiße Licht des Mondes.

Etwas fremd wirkten die Rockbarden in ihrer abgewetzten Mittelalterkluft in der gediegenen Atmosphäre der klassizistischen Stadthalle. Mit einer aufwändigen Feuershow, die die Gesichter der Zuschauer bis in die letzten Reihen wärmte und erstaunlicherweise keine Rußflecken an der weißgetünchten Decke hinterließ, eroberten sie sich aber den Raum, der bald zünftig nach Schwarzpulver roch.

Für einen deutschsprachigen Sänger wirkten die Ansagen Michael Robert Rheins, genannt Das Letzte Einhorn, relativ einsilbig. So leitete er zum Beispiel mit der Frage „Wer von euch hat Geschenke bekommen?“ zum Song „Ave Maria“ über.

Die Rockfans im Publikum machten den Eindruck, als ob sie noch etwas müde von den gerade überstandenen Feiertagen, aber auch glücklich über den Szenenwechsel waren. Denn bei In Extremo rieselt nicht leise der Schnee, es regnet Blut. Den Refrain zum Song „Es regnet Blut (Spielmannsfluch)“ sangen sie nach der ersten Zugabe so lange, bis die Band eine zweite gab.

Von Valerie Schmidt

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