Leise Töne, volle Dröhnung im Kulturzelt

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Kasseler Band als Vorgruppe auf der Kulturzelt-Bühne: Jens Opper und Jürina Luka von Louis on the Run (links), Nicholas Müller (Von Brücken).

Kassel. Die Kasseler Lokalmatadore Louis on the Run und Von Brücken waren am Freitag an einem Konzertabend im Kulturzelt zu erleben.

Einen Abend der Kontraste erlebten die Kulturzelt-Besucher am Freitag: zwei unterschiedliche, zwei sehens- und hörenswerte Auftritte.

Louis on the Run 

Die Nervosität ist spürbar, als die Kasseler Lokalmatadore die Bühne entern. „Wir haben ’ne halbe Stunde, ich hoffe, ihr geht mit“, begrüßt Gitarrist Jens Opper bescheiden und fast verlegen: „Sehr, sehr überwältigend“ sei der Auftritt. Na klar kriegt die Support-Band die Unterstützung im gut gefüllten, aber nicht zum Bersten vollen Zelt: Der melodische Gitarren-Folk mit mehrstimmigem Gesang und herrlichen Harmonien bekommt viel Applaus.

Louis on the Run - Opper, Sängerin Jürina Luka und Philipp Löffler (ebenfalls Gitarre) haben sich erst 2015 gefunden - wirken sympathisch bodenständig, ja warmherzig, und zurückhaltend, ohne Allüren. Man meint, ihre Songs oft gehört zu haben - aber längst nicht so oft so schön. Das Zelt wird zum Country-Tanzschuppen, das Trio lullt ein wie eine endlose Fahrt durch die Weite des Westens, und das Fahrgefühl hält an, obwohl man das Auto längst verlassen hat.

Von Brücken 

Es folgt, schlagartig, die volle Dröhnung, laut, sehr laut, druckvoll, krachend: Von Brücken sind mit ganz großer Kapelle da, und wenn sich nicht alle sieben Mitstreiter bewusst zurücknehmen, hört man etwa Anne de Wolffs Geige, Violine und Posaune gar nicht raus.

Sänger Nicholas Müller, Ex-Frontmann von Jupiter Jones, hatte diese Band wegen Angststörungen verlassen. Er tat sich nach einer Pause mit seinem Freund, Keyboarder Tobias Schmitz, zusammen und gründete Von Brücken - der geradlinige Indie-Pop, ob Ballade oder Hymne, erinnert in den besten Momenten beispielsweise an Kettcar. Beim Open Flair sind Von Brücken wieder zu hören.

Müller ist das Gegenteil von zurückhaltend. Er ist redselig, überschwänglich und souverän, selbst wenn er sich in wirren Ansagen verheddert. Genauso, als der Knopf in seinem Ohr defekt ist. Die Technikpause überbrückt er, indem er sich in absurden Geschichten über eine Blasenentzündung, Whiskas-Werbung in der Kasseler Fußgängerzone und Klatschrhythmen verliert. Zuletzt - die Band reizt den Spielraum bis zur Schall- oder besser Stillegrenze 22 Uhr aus - zündet er sich eine Zigarette an und trinkt Rotwein aus der Pulle.

Das Zelt ist am Kochen, als Von Brücken das erste Mal von der Bühne gehen. Wie das steigern? Gar nicht, die Band nimmt mit einem Song von Damien Rice („höchste Ehren-Verehrung“) das Tempo raus. Am Ende stehen alle acht Arm in Arm in einer Reihe, singen gemeinsam. „Ihr Kasseler, schätzt euch glücklich“, hat Müller übers Kulturzelt gesagt. Tun wir doch, an solchen Abenden.

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