"Melodram in der Manege": Mark-Christian von Busse über den SWR-Tatort

Schon zum zweiten Mal binnen zwei Monaten (nach dem hr-Tatort mit Ulrich Tukur) ermittelt ein Tatort-Team im Zirkus-Milieu. Till Endemann geht es bei seiner Premiere als Regisseur des Ludwigshafen-Tatorts betont bieder und klischeeverbunden an. Eine Kritik von HNA-Redakteur Mark-Christian von Busse.

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe) strahlen wie Kinder in trauter Zweisamkeit in einem Zirkuszelt – klar wie Kloßbrühe, dass genau da gleich ein Mord passieren musste. Die Vorhersehbarkeit der ersten Minuten ließ am Sonntagabend Schlimmstes vermuten für ihren 49. Fall „Zirkuskind“.

Ganz so furchtbar wurde es nicht, aber Harald Göckeritz (Buch) und Till Endemann (Regie) ließen kaum eine Tatort-Unsitte aus: das Thema – hier: Antiquitäten- und Kunstschmuggel – im Privaten zu spiegeln: Die Kommissare kauften eine Kette zum Geburtstag der Sekretärin. Staubtrockene Dialoge wie diesen hier: „Sie wirken so unbeteiligt.“ „Ich mochte ihn nicht.“ „Das klingt hart.“ „Das Leben ist hart.“

Ein dick aufgetragenes, melodramatisch-sentimentales Ende, nachdem die Ermittler sich die Auflösung ziemlich aus dem Nichts zusammengereimt hatten. Man hatte auch noch gut Gelegenheit, über die Ödnis der Fußgängerzone in Ludwigshafen zu staunen und darüber, dass Hehler Serge (Carlo Ljubek) aussah wie ein verlotterter Bruder von Karstadt-Sanierer Nicolas Berggruen.

Bloß in der aufregend angelegten Figur des psychisch angeknacksten Verdächtigen Herbert Rauch (Fritz Roth) war zu spüren, wie ein guter Tatort zu fesseln vermag.

E-Mail an den Autor:  vbs@hna.de

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