West Side Story am Staatstheater Kassel: Wenn die Liebe quer steht

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Annäherung gegen alle Feindschaften: Michael Pflumm als Tony und Judith Caspari als Maria in der Wiederaufnahme des Musicals „West Side Story“ am Staatstheater.

Kassel. Der Komponist Leonard Bernstein wird zu seinem 100. Geburtstag gefeiert. In Kassel wurde sein berühmtestes Werk, die "West Side Story" wiederaufgenommen  mit großem Erfolg. 

Es ist die berühmteste moderne Adaption der Shakespeare-Tragödie "Romeo und Julia". Das Musical „West Side Story“ mit der genialen Musik des Jubilars Leonard Bernstein (1918-1990) feierte am Samstag Wiederaufnahme im nahezu ausverkauften Kasseler Opernhaus.

Erneut fesselte die Inszenierung von Philipp Rosendahl, der mit Daniel Roskamp (Bühne), Volker Michl (Choreografie) und Brigitte Schima (Kostüme) eine brillante Umsetzung geschaffen hat. Eine, die gerade die Zeitlosigkeit betont. Die englische Sprache verweist auf den Originalschauplatz New York, die Optik erinnert eher an ein Science-Fiction-Szenario.

Eindrucksvoll die bewegliche Bühne mit zwei drehbaren Elementen: Auf der einen Seite riesige Kanalrohre, aus denen die verfeindeten Straßengangs der Jets und Sharks anfangs regelrecht ausgespuckt werden, auf der anderen Seite Docs Bar und ein Brautladen sowie die Buchstaben des Wortes „West“.

Futuristisch wirken auch die Gesichtsbemalung und die Kunststoff-Perücken der in den Farbtönen voneinander unterschiedenen Gangs. Diese Optik hat nicht nur einen Reiz, sie lässt sich ebenso als Hinweis auf die tragische Unveränderlichkeit des Menschen interpretieren: Das unselige Stammesdenken mit der Spaltung in Eigen- und Fremdgruppe wird es womöglich auch in der Zukunft geben.

Zur Conditio humana gehört die Liebe, die hier quer zu den Lagern steht. Es ist die Liebe von Tony, einst Gründer der alteingesessenen Jets, und Maria, Schwester des Sharks-Anführers Bernardo. In der Kasseler Produktion gibt es jeweils zwei Besetzungen für Maria und Tony. Am Samstag begeisterten Judith Caspari und Michael Pflumm – Caspari mit wunderbar lebhaftem Temperament und jugendlich heller, höhensicherer Stimme, Pflumm als sensibler Charakter mit klarem, nicht allzu opernhaftem Timbre.

Neben diesem bezaubernden Paar überzeugen die übrigen Darsteller und Mitglieder des Tanzensembles, allen voran Anna Thorén als Anita, Tom Schimon als Riff, Rupert Markthaler als Bernardo. Bernhard Modes verleiht dem rassistischen Officer Krupke eine imposante Statur, während Dieter Hönig in der Doppelrolle Doc / Glad Hand Akzente setzt.

Dirigent Alexander Hannemann und das Staatsorchester loten Bernsteins dynamischen Stilreichtum aus. Noch ein starker Eindruck: Mit mädchenhafter Stimme beschwört Tina Haas (Anybodys) im anrührenden „Somewhere“ einen Ort frei von Kummer. Denn bei aller Gewalt, zu der er fähig ist, hört der Mensch nie auf, von der Utopie zu träumen. Tosender Beifall, rhythmisches Klatschen.

Wieder am 13., 14., 22.9., Karten: 05 61/ 10 94 222, 

www.staatstheater-kassel.de

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