Mozarts „Don Giovanni“ in Berlin

Leporello wie bei „Dinner for one“

Intensiv: Ildebrando d’Arcangelo (Don Giovanni), Martina Welschenbach (Zerlina). Foto:  dpa

Berlin. „Don Giovanni ist nicht Casanova, der die Frau zum Selbstzweck verführt“, meint Roland Schwab. Der Regisseur hat sich Gedanken gemacht und weiß sie auch umzusetzen. Aus dem Dunkel des leeren Bühnenraumes lässt er den Titelhelden hervortreten - Ildebrando d’Arcangelo, attraktiv wie George Clooney, Idealbesetzung für den Mozart’schen Verführer.

In seiner großartigen Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin gelingt es Schwab, dem Mythos neue Aspekte abzugewinnen. Zur suggestiven Bildfindung, die sich wie die Ermordung von Donna Annas Vater auf dem Golfplatz ins Gedächtnis bohrt, gesellt sich eine überzeugende Personen-Charakterisierung.

Bei Schwab ist Don Giovanni ein Mann mit vielen Gesichtern, weshalb er ihm gleich Doubles im Dutzend als Bewegungschor zur Seite stellt.

Alex Esposito als Leporello singt wie ein Gott, punktet als Akrobat und ist auch noch ein Entertainer. Toll, wie er in der Schlussszene James beim „Dinner for one“ gibt. Statt über ein Tierfell stolpert er über eine Mädchenleiche. Am Tisch sitzt sein Herr.

Dirigent Roberto Abbado bleibt mit seiner weitgehend auf Begleitfunktion reduzierten, schlanken Interpretation hinter der Regieleistung zurück. Was den Sängern allerdings zugute- kommt, etwa der umjubelten Donna Anna Marina Rebekas. Begeisterung am Ende dieses Lichtblicks anregenden Musiktheaters.

Karten: 030–34384343, www.deutscheoperberlin.de

Von Andrea Hilgenstock

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