Leslie Clio: Kurzes aber intensives Konzert im Kulturzelt

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„Es gibt uns ja erst seit fast ’nem Jahr“: Leslie Clio am Vorabend ihres Geburtstags beim Auftritt im Kulturzelt.

Kassel. Der vielleicht Zwölf-, 13-Jährigen war die Wartezeit aufs Würstchen zu lang. In der Umbaupause stand das Mädchen am Grill an, doch als die Glocke läutete, hüpfte sie sogleich davon, dabei fröhlich „I Couldn’t Care Less“ trällernd.

„I Couldn’t Care Less“ - dieser Hit, der auch zum Soundtrack des Matthias-Schweighöfer-Films „Schlussmacher“ gehört, hat Leslie Clio schlagartig bekannt gemacht. Donnerstagabend im Kasseler Kulturzelt sang sie ihn gleich zweimal: „Wir haben jetzt alles gespielt, was wir haben“, sagte Clio, aber weil Kassel „so heiß“ sei, gehe es von vorn los. Wieder hüpften und tanzten nicht nur Besucherinnen, die man eher auf einer You-Fm-Party vermuten würde als an der Drahtbrücke. Es wogte das Publikum im ausverkauften Zelt.

Leslie Clio ließ am Vorabend ihres Geburtstags – sie wurde gestern 27 – keinen Zweifel daran, dass der Kasseler Auftritt etwas ganz Großes war. Anders als an gleicher Stelle vor zehn Tagen Elisa Schmidt, kurz „Schmidt“, deren Unsicherheit sich in Selbstüberschätzung ausdrückte, war Clio, deren Debütalbum „Gladys“ im Februar erschienen ist, ehrlich und charmant: „Das ist übrigens unser längstes Konzert ever“, gestand sie, und das „erste mit eigenem Lichtmann“. Vielleicht nur eine Zwischenstation auf dem Weg weiter an die Spitze.

Und viel weniger formatradiotauglich, als man hätte vermuten können. Felix Gebhard (Keyboards/Gitarre), Max Schroeder (Drums), Jacob Vetter (Keyboards) und Dennis Becker (Bass) mischten dem munteren Soul-Pop und der fröhlichen Scheißegal-Haltung der noch lolitahaft jung wirkenden Blondine eine mächtige Portion Düsternis bei. Leider kleisterten sie ihre durchaus erstaunliche Stimme auch mit Synthie- und Bässe-Wummern zu. Alles manchmal ziemlich mechanisch, kein Wunder, dass Clio mitunter roboterhaft tanzte, als würden unsichtbare Truppen aufmarschieren.

Sehr früh kam die erste Single, „Told You So“, ein Höhepunkt war „Twist The Knife“, die schönsten Stücke aber gab’s zuletzt, ruhig, zart und intim mit Glockenspiel und akustischer Gitarre, wie „All I Have To Do Is Dream“ von den Everly Brothers oder ihr eigenes „Holding On To Say Goodbye“.

Ordentlichen Applaus hatten schon Jacob & Phil Fill bekommen, die wider Erwarten mit 30 Minuten „Support“ für eine angemessene Konzertlänge sorgten. Das Trio des Clio-Keyboarders Vetter mit Philip Rittmannsperger und Niklas Kleber überzeugte mit lässig-geschmeidig-funkigen Songs. Gitarre, Keyboard, Schlagzeug - so einfach kann’s gehen.

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