documenta-Künstler Jeff Wall zeigt großformatige Fotografien in der Galerie Neue Meister in Dresden

Das Leuchten der Wirklichkeit

Saubermachen in einem berühmten Gebäude: „Morning Cleaning“ zeigt Mies van der Rohes „Barcelona Pavillon“, wie Jeff Wall ihn inszeniert. Foto: Kunstsammlungen Dresden/ nh

Dresden. Die übergroßen Leuchtkästen des kanadischen Fotokünstlers Jeff Wall gelten als Ikonen der modernen Fotografie. Sein Rückgriff auf die Werbeästhetik revolutionierte die Fotografie. Auch auf der Kasseler documenta war Jeff WAll damit bereits vertreten. Einige der neuesten Arbeiten des 63-Jährigen haben jetzt in Dresden Europa-Premiere.

Die Galerie Neue Meister Dresden präsentiert zur Wiedereröffnung des Albertinums 26 Werke des kanadischen Fotokünstlers. Sie zeigen zu dürfen, sei „ein Glücksfall“, sagte der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen, Martin Roth. Die Schau „Transit“ setze einen wichtigen Schwerpunkt der Gegenwartskunst. In der benachbarten Kunsthalle im Lipsiusbau sind 19 riesige Großbilddias in Leuchtkästen, sechs Schwarzweißfotografien und eine farbige Arbeit als C-Print zu sehen.

Die Palette der Kunstwerke reicht vom „Doorpusher“ (1984) bis zu dem als farbiges LightJet Print realisierte Bild „Search of premises“ - einem Experiment. Diet großformatigen Leihgaben des Künstlers geben einen Überblick über sein Schaffen in 30 Jahren.

Walls beleuchtete Farbdiapositive zeigen scheinbar zufällig aufgenommene Bilder, die jedoch Ergebnis sorgfältiger Inszenierung sind. Jedes Detail der abgebildeten Alltagszenen, Porträts, Landschaften und Innenräume ist minutiös arrangiert, die Menschen fast immer eigens dafür engagierte Schauspieler. Die Bilder zeigen Augenblicke körperlicher Gewalt, der Zerstörung, Alltagszenen aus Unterschicht und Bürgertum, sprechen soziale Aspekte wie Umweltverschmutzung, Armut oderRassismus an.

Die Motive entdecke er unmittelbar im Leben, sagte der Künstler. Ausgangspunkt seiner Bildthemen sei immer eine Art unvorhergesehene Begegnung. Die „Inszenierung“ sei der Versuch, „künstlich irgendein spontanes Geschehen in einer Situation herbeizuführen, das sich nur geringfügig von dem unterscheidet, was sowieso da wäre“. Die modernen Allegorien beziehen sich aber auch auf Kompositionsprinzipien und Bildmotive aus der europäischen Kunstgeschichte. „Storyteller“ (1986) oder „Tattoos and Shadows“ (2001) etwa zeugen von Walls Wissen um das Erbe von Malern wie Manet oder Gauguin und dem Bemühen, mit Fotografie Sinnbilder des modernen Lebens zu schaffen. (dpa)

Kunsthalle im Lipsiusbau, bis 19. September.

Von Simona Block

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.