Actionlesung des Duos Tiere streicheln Menschen in der Kneipe Mutter

Die Leute lachten sich kaputt

Nonsens-Freunde: Sven van Thom (links) und Martin „Gotti“ Gottschild. Foto: Malmus

Kassel. Man muss das nicht gut finden, bloß weil es aus Berlin kommt - aber man würde nicht viel falsch machen: Martin Gottschild und Sven van Thom traten am Samstag als Tiere streicheln Menschen zur Actionlesung in der Kneipe „Mutter“ in der Nordstadt auf: „Gotti“ sitzt und liest, van Thom steht und singt.

Gottschild, gutmütiger Slacker-Typ mit Schnauzbart und Wuschelmatte, entwickelt seine kurzen, überpointierten und absurden Geschichten meist aus alltäglichen Begebenheiten. Er erzählt etwa von einer Geschäftsgründung mit Rapper „Ice-T“ (ein Blumenladen namens „Ginster’s Paradise“), seiner Bewunderung für Reinhold Messner (der schließlich alle Achttausender ohne Bier bestiegen habe) und stellt eine unappetitliche, aber stimmige Theorie über die Etymologie der Winterjacken-Marke „The North Face“ auf (sie hat mit dem amerikanischen Pornodarsteller Peter North zu tun). Die Leute lachen sich kaputt.

Sven van Thom ist mit Hornbrille und Anzug nicht nur das optische Gegenstück zu Gottschild, sondern auch beweglicher und effektiver im Einsatz seiner künstlerischen Mittel. In drei Strophen, meist nur von einigen sanften E-Gitarren-Akkorden begleitet, bringt er auf den Punkt, wozu Gottschild drei Seiten benötigt (und ist genauso komisch). Mit beeindruckender Stilsicherheit bewegt er sich mühelos zwischen bittersüßen und glaubhaften Trennungsschnulzen und Ballermann-Dancefloor-Parodien. Einer der Höhepunkte: die spielerisch-respektlose Nonsens-Ballade „Auch dicke Mädchen haben Träume“. Kostprobe: „Ich nahm ihr den Döner aus der rechten Hand, den Big Mac aus ihrer Linken, strich die letzten Krümel aus ihrem Haar, auch das Baguette mit Schinken.“ Starker Applaus der etwa 80 Gäste.

Von Lennart Martens

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