Etwas zu dicke: Finks Album „Hard Believer“ – Konzert am Sonntag in Kassel

Licht hinter den Hügeln

Passionierter Bartträger: Finian Paul Greenall alias Fink. Foto:  nh

Natürlich muss es der Blues sein, der von einem Leben im Zeichen strenger, wahrhaftiger Gläubigkeit, von einem „hard believer“, erzählt. Der Blues muss es sein, aber der ihn spielt nicht zwingend ein typischer Bluesmusiker. Also ruhig einer wie Fink.

Von dem 1972 als Finian Paul Greenall im britischen Cornwall geborenen, seit ein paar Jahren in Berlin-Kreuzberg lebenden Musiker kann man zwar sagen, dass er ihn hat, den Blues, aber eben nicht, dass er ihn deshalb andauernd spielt. Mit seinen Dancefloortracks erweist Greenall der House-Szene seit über zehn Jahren geschmackvolle Dienste. Bekannter ist der passionierte Rauschebartträger allerdings als Singer/Songwriter unter dem Namen Fink. Angesiedelt zwischen (Neo-)Folk, Blues und softem Indiepop spielt der Akustikgitarrist seit 2001 angenehm reduzierte, bisweilen elektronische Stücke. Finks Songs stützen sich auf eine moderate Form der Leise-Laut-Dynamik und die soghafte Kraft meditativer Wiederholungen, was zuweilen an den Mantra-Folker José González erinnert. Zumindest war es bislang so.

„Hard Believer“ heißt nun das fünfte Fink-Album. Der gleichnamige Titelsong trägt durchaus programmatische Züge: Er wirkt wie ein etwas kitschiges Glaubensbekenntnis an die Schönheit von Musik, die ohne Schmerzen nicht zu haben ist. Weil das so ist, klingt Finks fragile dunkle Stimme huldvoll, beschwörend und zerknirscht zugleich, wenn sie vom Licht kündet, das da über den Hügeln liegt.

„Hard Believer“ ist ein schöner Song, spartanisch instrumentiert obendrein. Obwohl das Stück fürs künstlerische Ganze steht, ist es doch eine Ausnahme auf dieser für Greenalls Verhältnisse soundtechnisch und instrumentell beinahe schon überinszenierten Popplatte. Greenall ist stolz auf „Hard Believer“, auf seine kraftvollen Loops, die Spannungsbögen, die triumphalen Höhepunkte. Er nennt es sein ambitioniertestes Album. Doch ebenso kann man vieles als dick aufgetragen empfinden. Von der „Rohheit“, von der Greenall schwärmt, ist wenig zu spüren.

Manches auf dem Album schmeckt wie ein halbgelungener Coldplay-Song: nach einer sinnlos-tragischen Überdosis Zucker. Aber der pathosselige Chris Martin von Coldplay ist ja auch so ein heftig Glaubender der Musik.

Fink: Hard Believer (R’Coup’D / Ninja Tune / Rough Trade). Wertung: !!!::

Fink spielt am 10. August, 19.30 Uhr, im Kulturzelt Kassel. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Von Michael Saager

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