Soulsänger Stefan Gwildis arbeitet auf seinem Album „frei händig“ mit eigenen Liedern

Das Licht in seinem Gesang

Graumelierter Charmebolzen: Stefan Gwildis. Foto:  nh

Schwer entziehen kann man sich derzeit einer Gute-Laune-Aufforderung, die im Radio in Dauerrotation läuft. „Spiel das Lied in Dir“ heißt die Erfolgssingle aus Stefan Gwildis’ neuem Album „frei händig“, und der deutsche Soulstar fordert darin auf: „Mach alle Knöpfe auf und tanz.“

Stefan Gwildis ist wieder da. Soulig, funkig, getrieben voneiner mächtigen Sehnsucht, die mal melancholisch und mal einfach sexy wirkt. In seiner Musik vereint der Hamburger so unterschiedliche Dinge wie Schmelz, Glamour und Bodenständigkeit. Er verbeugt sich erneut vor seinen großen Vorbildern aus der Soul- und Motown-Ära. Doch nach Alben wie „Neues Spiel“ oder „Nur wegen Dir“, wo er seit 2004 Hits der großen Ära schwarzer Musik mit intelligenten, frechen Texten ins Deutsche herüberholte, besteht „frei händig“ mit nur noch einer Ausnahme aus eigenen Stücken. Hier hat sich einer endgültig freigeschwommen.

Er vertraut auf musikalische Wegbegleiter wie Multitalent Michy Reincke und auch auf Pe Werner, die hier die schönsten Textzeilen beisteuert. In „Wer los lässt, hat die Hände frei“ wünscht er „eins wär’ jetzt nicht schlecht: ein Rückgaberecht für so’n vergurkten Tag wie diesen / wenn da Pfand drauf wär’ wär’ ich bald Millionär...“

Gwildis singt vom seltsamen Glück, eine Beziehung zu beenden („Ohne dich“), vom Alkoholtod seines Bruders („Wär mir egal“) und von der Irritation, die ein unverhofftes Wiedersehen auslöst („Du bist wieder da“).

Musikalisch glänzt und gleißt die Platte in sorgsamen Arrangements und abwechslungsreichen Stilen. Gospelig wird’s ins „Hallelujah“, die Bluesgitarre dominiert in „Du bist wieder da“, treibende Beats und Motown-Üppigkeit steigern sich in „Wer los lässt“ zum mitreißenden Groove, Begleiterin bei „Ohne Dich“ ist R’n’B-Liedermacherin Regy Clasen. Stefan Gwildis will musikalisch nach eigener Aussage „nicht alles bis zum Ende schmirgeln“. Genau das gibt den Titeln eine große Kraft. Bei den Texten droht trotzdem an manchen Ecken ein bisschen die Betulichkeits-Gefahr.

Gwildis kann Röhre und Crooner, er kann mit seinen Rampensauqualitäten laut loslegen oder sich stimmlich vorsichtig anpirschen. Und besonders nah dran an seinem Vorbild Bill Withers ist er gesanglich in dem wunderbaren „Durch die Nacht“. Gwildis liebt Bill Withers’ Fähigkeit, das „Licht aus dem Gesang scheinen lassen“, wie er einmal in einem Gespräch mit unserer Zeitung erklärte. Dass er dies selbst auch anstrebt, hört man hier besonders: Yes, he can. Zu den Bläserakzenten und Streicherschmeicheleien groovt er dann los: „Heute ist uns egal, wo wir sind / Der Weg ist das Glück“.

Stefan Gwildis: frei händig (105 Music), Wertung: !!!!: ,

Von Bettina Fraschke

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