Faszination des Lichts

Lichtmalerei von Rembrandt und Vermeer im Schloss  Wilhelmshöhe

Rembrandt: „Der Apostel Paulus im Nachdenken“ (Germanisches Nationalmuseum Nürnberg)

Kassel. Licht, Schatten und Kontraste - die Lichtmalerei des 17. Jahrhunderts steht im Zentrum einer Ausstellung, die von diesem Freitag an im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel zu sehen ist.

Caravaggio zettelte eine Revolution an. Wie der Römer (1571-1610) in seinen Gemälden das Licht lenkte, war eine Zäsur, die in ganz Europa Wirkung hatte. Caravaggio setzte es vor dunklem Hintergrund in einem Lichtkegel, als eine Art Spotlight ein, der das Geschehen ganz plastisch erscheinen ließ, dramatisch, ja theatralisch auflud.

Wie Maler mit dem Licht umgehen, welche Wirkung es erzielt, zeigt eine wunderbare Ausstellung im Museum Schloss Wilhelmshöhe in Kassel. 70 hochkarätige Werke belegen, welches malerische Ausdrucksmittel Licht darstellt: Hell-Dunkel-Abstufungen und Kontraste schaffen Räume, unterstreichen die Aussage, bestimmen die Komposition.

Die Unmittelbarkeit und Direktheit eines Caravaggio waren für die Zeitgenossen „ein Schock“, sagt Philipp Weiss von der Berliner Forschungsgruppe „Historische Lichtgefüge“, die die Kasseler Ausstellung mit erarbeitet hat: „Man wusste gar nicht, wie man sich vor ein solches Bild stellen sollte, wie nahe man ihm kommen durfte. Das war wie ein Schlag aufs Auge.“ Das lässt schon die Kasseler Kopie des Caravaggio-Gemäldes „David mit dem Haupt des Goliath“ erahnen: David scheint den abgeschlagenen Kopf aus dem Bild zu halten, dem Betrachter entgegenzustrecken.

Vermeer: „Das Mädchen mit dem Weinglas“ (Braunschweig, Herzog Anton Ulrich- Museum)

Welch fundamentale Neuerung Caravaggios Behandlung des Lichts bedeutete, erklärt die Schau anhand von Vergleichen mit der mittelalterlichen und Renaissance-Malerei (ebenfalls anhand großartiger Beispiele). Ihren souveränen Gipfel erreicht sie aber im sogenannten Goldenen Zeitalter der Malerei, im niederländischen 17. Jahrhundert: Anhand von Leihgaben von Rembrandts sinnierendem „Apostel Paulus“ aus Nürnberg und von Vermeers „Das Mädchen mit dem Weinglas“ aus Braunschweig lässt es sich nachvollziehen: Hier wird nicht etwa mit Lichteffekten getrickst. Vermeer halte stattdessen zwei Darstellungsmittel - die lange Zeit vorherrschende Zentralperspektive sowie die Behandlung des Lichts - subtil, fast minimalistisch, in der Schwebe, sagt Weiss: „Er bringt den Raum in Schwingung.“

Die Schau, die der Leiter der Gemäldegalerie, Justus Lange, kuratiert hat, blättert das Thema Licht in vielen Facetten auf. Es gibt Tag- und Nachtdarstellungen, Interieurs, Stillleben, Porträts sowie Grafiken. Zu sehen sind Beispiele für ein gleichsam von innen strahlendes, göttliches Licht (wie bei Rubens’ Darstellung der Flucht nach Ägypten) ebenso wie der erotische Lichtschein auf weibliche Schulter oder Knie.

Verknüpft wird die Präsentation der Gemälde mit der physikalischen Erforschung der Phänomene des Lichts - ausgestellt sind auch optische Geräte des 17. Jahrhunderts. Ihnen werden zuletzt zeitgenössische künstlerische Positionen gegenübergestellt, die die barocke Auffassung vom Licht aufgreifen - etwa von Michael Wesely, Thomas Weinberger und Hiroshi Sugimoto. Darunter sind Fotografien mit der Camera obscura oder extreme Langzeitbelichtungen.

Von Mark-Christian von Busse

Bis 26.2., Di-So, 10-17, Do bis 20 Uhr, Eintritt: 6 (4,50) Euro, Studenten: 2 Euro, bis 18 Jahren frei. Infos: Tel. 0561/31680-0, www.museum-kassel.de Katalog (Imhof Verlag) 19,95 Euro.

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