Neu im Kino: Audrey Tautou in dem warmherzigen Film „Nathalie küsst“

Liebe mit der Büromaus

Im Fahrstuhl: Nathalie (Audrey Tautou) ignoriert Markus (François Damiens). Foto:  Concorde/ nh

Der Chef tändelt mit der grauen Büromaus herum. Und plötzlich gibt es bei diesem unscheinbarsten aller Teammitglieder sowohl in Sachen Prestige bei den Kollegen als auch beim eigenen Selbstbewusstsein einen derartigen Auftrieb, dass die gewesene Büromaus hinter ihren Aktenbergen nur fassungslos lächeln kann.

Der Film „Nathalie küsst“ erzählt diesen Plot nicht mit der klassischen Geschlechter-Verteilung. Hier ist der Boss eine glamouröse Chefin: Nathalie (Audrey Tautou). Der Aktenschlepper Markus (François Damiens, „Nichts zu verzollen“) hingegen ist ein bedingt vorzeigbarer Musterpulliträger mit Fusselfrisur, lückigen Zähnen und hohem Schusselfaktor.

Stéphane Foenkinos verfilmt die erfolgreiche Romanvorlage seines Bruders David und gestaltet eine warmherzige und sehr erwachsene Liebesgeschichte zwischen dem ungleichen Paar, die mit einem Versehen beginnt.

Markus muss Nathalie etwas fragen und weiß nicht, wie ihm geschieht, als die Vorgesetzte hinter ihrem Schreibtisch hervorkommt und ihn, den sie vorher noch nie angesehen hat, leidenschaftlich küsst. Später will sie sich an nichts erinnern, aber Markus lässt den Vorfall nicht auf sich beruhen und fängt an, um Nathalie zu werben. Auch wenn er das Kräfteverhältnis empfindet, „als spräche Liechtenstein mit den Vereinigten Staaten“. Irgendwann gehen sie tatsächlich miteinander aus - und verlieben sich.

Differenziert und wohltuend unspektakulär zeigt der Film, was es heißt, sich auf jemanden einzulassen und wie gut es sich anfühlt, wenn Geborgenheit zwischen zwei Menschen wächst. Denn auch Nathalie hat es nicht leicht: Nach dem Tod ihres Mannes François hat sie sich in einen Kokon der Unnahbarkeit zurückgezogen, der irgendwann so selbstverständlich zu ihr zu gehören schien, dass sie ihn gar nicht mehr ablegen wollte, und ihre Umwelt das auch nicht mehr erwartete.

Und hier liegt die dramaturgische Schwäche des Films: Viel zu ausgiebig wird nämlich in der ersten Hälfte des Films die rosarote Superliebe von François und Nathalie gezeigt. Was zu sehr an der Oberfläche und trotz gewagter Schnitte langweilig bleibt.

Dazu kommt: In diesen Sequenzen saugt sich die Kamera verliebt am Gesicht Audrey Tautous fest. Unbedingt soll sie als das zauberhafte Mädchen rüberkommen, das sie vor Jahren in „Die fabelhafte Welt der Amélie“ war. Bis in die Nackenhärchen unter ihrem Pferdeschwanz wird ihre Schönheit verherrlicht. Eine schwere Imagelast. Erst in der neuen Liebesgeschichte kann Tautou, ebenso wie ihre Figur Nathalie, das Korsett der Erwartungen ablegen.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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