Sinfoniekonzert: Wagner und französische Musik

Liebe zum Effekt

Stephan Genz (links) und Patrik Ringborg. Foto: Schachtschneider

Kassel. Richard Wagner und Frankreich - eine spannende Geschichte. Zwar ließ der Meister Gehässiges über die vermeintliche Pariser Dekadenz verlauten. Der Philosoph Friedrich Nietzsche bemerkte aber maliziös, dass „die französische Romantik und Wagner aufs Engste zueinander gehören“. Gemeinsam sei die Liebe zum Effekt, zum Exotischen, zu allen „Opiaten der Sinne“.

So gesehen, hatte das wagnerisch-gallische Programm beim Sinfoniekonzert in der fast vollen Kasseler Stadthalle eine zwingende Logik. Zudem war es gewiss ein Pläsier für Generalmusikdirektor Patrik Ringborg. Stichwort: Klangsensualismus.

Einen Farbenrausch bot das inspiriert musizierende Staatsorchester Kassel gleich eingangs bei Ouvertüre und Bacchanale aus Wagners „Tannhäuser“. Vom Weihevollen ging die Reise zum Sündig-Luxuriösen. In der Pariser Opernfassung kommen gar Kastagnetten zum Einsatz.

Nach diesem Vorgeschmack - die Kasseler „Tannhäuser“-Premiere ist am 27. April 2013 - gab es vier Lieder für tiefe Stimme und Orchester von Henri Duparc. Der war ein glühender Wagnerianer, ebenso wie Charles Baudelaire, von dem die Gedichtvorlagen für „L’invitation au voyage“ und „La vie antérieure“ stammen.

Ruhiges Tempo, schillerndes Dämmerlicht: Ringborg und das Orchester webten einen feinen Klangteppich für die dunkle Stimme des Gastbaritons Stephan Genz, der subtil gestaltete, mit Schmelz sang - und viel Beifall bekam.

Der Ausgangspunkt der französischen Musik-Romantik folgte nach der Pause mit der Symphonie fantastique von Hector Berlioz. Charakteristisch für den GMD und sein schnörkelreiches Dirigieren war, dass nicht nur die grellen Effekte, etwa beim „Gang zum Richtplatz“, in Szene gesetzt wurden. Zärtlich startete die Sinfonie, reizend verlief der Ball-Besuch des zweiten Satzes.

Alle Orchestergruppen sorgten für starke Eindrücke. Einer von vielen: Gegen Ende der „Szene auf dem Lande“ trafen die Naturlaute des Englischhorns (Peter Schröder) auf den leisen, gleichsam aus der Ferne kommenden Donner von vier Pauken. Begeisterter Applaus der 1100 Berlioz-Hörer.

Von Georg Pepl

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