Mit „Come On Eileen“ hatten sie in den 80ern einen riesigen Hit

Die Dexys sind wieder da

Mischen musikalisch wieder mit: die Dexys mit (von links) Lucy J Morgan, Mick Talbott, Kevin Rowland, Madeleine Hyland, Jim Paterson und Pete Williams. Foto:  nh

Je überraschender der Sprung alter Pophelden zurück ins Rampenlicht, desto größer die Freude des Wiedersehens. Am Juchzen der Fangemeinden (von einst) erweist sich darüber hinaus, dass die Behauptung, der Planet Pop leide an einer besonders schweren Form von Alzheimer, so nicht stimmt.

Und laut gejubelt wurde in den letzten Jahren einige Male - bei Steely Dan, Van Dyke Parks, Prefab Sprout, Talk Talk oder bei den Beach Boys.

Ebenso inbrünstig sang der Chor der Getreuen, als es hieß, Kevin Rowland sei zurück, mit einem Northern-Soul-Album namens „One Day I’m Going To Soar“. Einem Konzeptalbum inklusive Rollenlyrik und gesungenen Selbstgesprächen. Im Ganzen geht es um die verflixte Unmöglichkeit, das Glücksversprechen romantischer Liebe dauerhaft einzulösen. Ein Zeitgeistthema. Rowland singt frustriert: „I believe in love, but I don’t know, what it is“.

Alte Weggefährten

Rowland ist zurück, aber nicht allein, sondern mit den legendären Dexys, mit den alten Weggefährten Pete Williams (Bass), Keyboarder Mick Talbot und Posaunist Big Jim Paterson - nach 27 Jahre Pause. 1999 war Rowlands zweites Soloalbum „My Beauty“ erschienen. Da hatte er die Erwartungen manch konservativer Fans strapaziert: Das Albumcover zeigt den heute 58-jährigen Gitarristen und Sänger aus Birmingham in Frauenkleidern. Bei einem Auftritt Rowlands in femininen Gewändern flogen prompt Flaschen Richtung Bühne.

Die Fans wollten Rowland lieber in schlabbrigen Latzhosen sehen, so wie damals im Jahr 1982, als er mit seiner 1978 gegründeten Band Dexys Midnight Runners die Hitparaden stürmte. Erschienen war gerade die tolle Hit-LP „Too-Rye-Ay“, worauf sich der Gassenhauer „Come On Eileen“ befindet. Das Video zur Single lief so oft in der Musiksendung „Formel 1“ - viele meinen heute, die Band hätte nur dieses Stück geschrieben. Kein Wunder, dass Rowland „Come On Eileen“ mit gemischten Gefühlen betrachtet.

Rowland ist ein Mensch, der sein übergroßes cholerisches Ego, ja, einen Gutteil seiner Vergangenheit, mit den Worten kommentiert, dass „es kein Spaß war, ich zu sein“. Latzhosen trägt er heute keine mehr. Zu albern. Schiebermütze schon, die findet er lässig. Durchaus lässig, wenn auch kein wahnsinnig großer musikalischer Wurf, ist das neue Album, dessen Songs Richtung Al Green grooven oder balladenhaft Barry White ihre Aufwartung machen.

Im besten Alter

Knackig, beinahe live - das Schlagzeug stand extraweit vom Mikro entfernt - klingt der Sound von „One Day I’m Going To Soar“, was der Musik der Herren im besten Alter eine gewisse Frische verleiht, sodass man nicht auf die Idee kommt, von Alterswerk zu sprechen. Ein Wort, für das einem Rowland glatt ins Gesicht springen würde. Er betont: „Wir machen unser Ding!“

Dexys: „One Day I’m Going To Soar“ (Buback / Indigo), Wertung: !!!::

Von Michael Saager

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