Eine Ausstellung in Hannover präsentiert „Sehnsucht, Hingabe und Erfüllung in Werken von Munch und Nolde bis Picasso“

Die Liebe ist etwas Himmlisches

Die Geliebte: Max Beckmanns „Ruhende Frau mit Nelken: Quappi auf dem Sofa bei Licht“. Fotos: Museum

Hannover. Welch elementares Thema der Kunst die Liebe ist, veranschaulicht eine facettenreiche Ausstellung im Sprengel Museum Hannover. Die Schau „Liebesgeschichten. Sehnsucht, Hingabe und Erfüllung in Werken von Munch und Nolde bis Picasso“ umfasst 190 Werke der Jahre 1900 bis 1960 aus eigenem Besitz, die auch von Ängsten und Liebesnöten erzählen.

Los geht es mit großen Augen und einem offen stehenden Mund. Die zeigt der von Emil Nolde dargestellte Mann angesichts einer fülligen nackten Schönheitstänzerin, die verschämt die Augen niedergeschlagen hat. Die Radierung trägt den treffenden Titel „Bewunderung“ (1922). Wie Nolde war Marc Chagall glücklich verheiratet. Auf zahlreichen Bildern verherrlicht er einander herzlich zugetane Liebespaare, die nicht selten vom Boden abgehoben haben. Liebe ist eben etwas Himmlisches. Kuratorin Isabelle Schwarz kommentiert: „Für Chagall bedeutet die Essenz der Liebe, das Leben als ein Fest zu betrachten und die Freude als wesentliche Grundlage der Existenz zu begreifen.“

Der Zeit seines Lebens von Liebesglück beflügelte und Liebesleid gebeutelte Pablo Picasso war bettelarm, als er die anrührende Radierung „Das kärgliche Mahl“ (1904) schuf. An einem notdürftig gedeckten Tisch sitzt ein bis auf die Knochen abgemagertes Paar. Er hat ihr den Arm um die Schulter gelegt - sein Gesicht aber von ihr weggedreht. Auch sie hat ihren melancholisch auf die Hand gestützten Kopf von ihm abgewandt. Die Darstellung verbindet körperliche Nähe mit innerer Distanz. Picasso scheint zu fragen: Ist Liebe in Elend und Armut aufrechtzuerhalten?

Edvard Munch hat nie unbeschwertes Liebesglück erfahren, wie Isabelle Schwarz berichtet. Ganz danach sieht sein Ölgemälde „Weiblicher Halbakt“ (1902) aus. Beim Anblick der üppigen Dame mit dem rotbraunen Haar kann einem Angst und Bange werden. Sie wirkt gefährlich, wie sie einen mit zusammengekniffenen Augen fixiert. Kein Wunder, dass das Gemälde unter dem Titel „Das Biest“ bekannt ist.

Auch Paul Klee und Otto Dix warten mit eindrucksvollen Liebesgeschichten auf. Klees Lithographie „Der Verliebte“ (1923) zeigt einen Mann, auf dessen verkümmertem Körper ein riesiger, kreisrunder Kopf sitzt. In dem ist eine Art Hampelmann dargestellt, der weibliche und männliche Geschlechtsmerkmale aufweist: die Liebe als groteske Kopfgeburt. Dix hält sich im Gemälde „Die Eltern des Künstlers II“ (1924) an eine Geschichte, die das wahre Leben schrieb. Alt und etwas ins Hässliche gezogen sitzen die Eltern auf dem Sofa eng nebeneinander - traute Zweisamkeit nach all den Jahren.

Max Beckmann war in zweiter Ehe glücklich mit der viel jüngeren Mathilde von Kaulbach verheiratet, der er den Kosenamen „Quappi“ gab. Auf dem Gemälde „Quappi auf dem Sofa bei Kerzenlicht“ (1940-1942) stellt er uns die Dame seines Herzens vor. In einem Brief an sie formulierte Beckmann wundervolle Sätze über das Phänomen Liebe: „Ein neues Spiel - Ein altes Spiel. - Es liegt an Dir und mir es ,einzigartig’ zu gestalten.“

Bis 15. August, Sprengel Museum, Kurt-Schwitters-Platz. Infos: Tel. 0511-16843875, www.sprengel-museum.de. Katalog: 20 Euro

Von Veit-Mario Thiede

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