Liebe und Hiebe: „Die drei Musketiere" in Gandersheim

Der Treueschwur der Fechtkünstler: Aramis (Veit Schäfermeier, von links), Mario Gremlich (Porthos), Merlin Fargel (D’Artagnan) und Udo Eickelmann (Athos). Fotos: Jelinek

Bad Gandersheim. "Die drei Musketiere" können immer noch faszinieren. Bei den Bad Gandersheimer Domfestspielen beeindruckte die Musicalfassung mit künstlerischen Fechtszenen und poppiger Musik.

D’Artagnan und die drei Musketiere aus dem Roman von Alexandre Dumas entsprechen als Haudegen zwar nicht mehr ganz dem heutigen Männerbild, in der Musicalfassung von Rob und Ferdi Bolland kamen „Die drei Musketiere“ bei den Gandersheimer Domfestspielen dennoch gut an. Das Publikum honorierte die Premiere mit lang anhaltendem Applaus.

Glaubenskriege und Machtstreitigkeiten im Vorfeld des Dreißigjährigen Krieges bilden den Hintergrund des Stückes, in dem der junge D’Artagnan und seine drei Kumpanen natürlich auf der Seite des Guten kämpfen. Ihr Gegenspieler ist der einflussreiche Kardinal Richelieu, der seine eigene Macht neben einem schwächlichen König (herrlich verschüchtert Fehmi Göklü) mittels Intrigen und Kriegsvorbereitungen gegen das protestantische England ausbauen will. Selbstverständlich siegt am Ende das vermeintlich Gute und der König geht gestärkt und erwachsener geworden aus dem ganzen Schlamassel hervor.

Unter der Regie von Craig Simmons ist fast das gesamte Ensemble auf der Bühne. In wechselnden fantasievollen Kostümen (Kati Kolb) verkörpern die 19 Schauspieler fast 200 Rollen, singen und tanzen (Choreografie Marc Bollmeyer) zur rockig-poppigen Musik (Leitung Heiko Lippmann), die besonderes in den großen Chorliedern beeindruckt.

Die zurückhaltende Kulisse, eine Treppe mit Balustrade und eine zweistufige Fläche, bietet viele Möglichkeiten, für ein zurückgezogenes Gebet, genauso wie für die temporeichen gestalteten Fechtszenen (Christian Ewald).

Merlin Fargel spielt D’Artagnan als sympathischen jungen Mann, der seinem Vater nacheifernd Musketier am Königshof werden will. Er verliebt sich in Constance, die als treu ergebene Kammerfrau der Königin (Maike Switzer) von Franziska Schuster mit wunderbarer Stimme und sehr liebenswert dargestellt wird.

Neben ihm meistern die drei Musketiere Athos, Aramis und Porthos (Udo Eickelmann, Veit Schäfermeister und Maria Gremmlich) so manches Abenteuer getreu dem Motto „Einer für alle, alle für einen“. Ihr gemeinsam gesungener Titelsong „Seit an Seit“ hat dabei Ohrwurmcharakter. Alle vier sind in ihrem Draufgängertum jedoch eher gemäßigt und erringen Lacher im Publikum mehr mit flotten Sprüchen und witzelnden Zweideutigkeiten.

Die imposanteste Rolle hat eindeutig Ron Holzschuh als Kardinal Richelieu, den er in einer Mischung aus Machtbesessenheit und religiösem Eifer arrogant und selbstverliebt verkörpert. Nicht weniger beeindruckend und stimmlich großartig ist Franziska Becker als Milady de Winter, die sich in die Intrigen des Kardinals einspinnen lässt, dabei aber auch eigene Ziele verfolgt.

Denn eigentlich bildet die Liebe auch hier die Triebfeder so manchen Handelns. Sei es D’Artagnan, der Constance schützen will, Athos, der seiner vergangenen Liebe nachtrauert, oder Milady de Winter, die eben diese Liebe war und Athos zurückgewinnen möchte. Und auch die Königin denkt sehnsuchtsvoll an ihre Jugendliebe zurück. Zusammen singen die drei Frauen eins der schönsten Lieber des Abends „Wer kann schon ohne Liebe sein“.

Insgesamt bietet das Musical einen unterhaltsamen Theaterabend, bei dessen Premiere nach dem Gewitterregen auch das gute Wetter wieder entscheidend mitspielte.

Domfestspiele

Bis 24. Juli. Neben „Die drei Musketiere“ werden gezeigt: „Michel aus Lönneberga“, „Der Kirschgarten“, das Sommer-Musical „Highway to Hellas“ sowie als Wiederaufnahme „Die Comedian Harmonists“.

Karten: 05382/73-777 www.domfestspiele-gandersheim.de

Von Carmen Barann

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