Patrik Ringborg leitete die umjubelte Neujahrsgala des Kasseler Staatstheaters mit italienischen Arien

Liebe, Leid und Leichtigkeit

Souverän: Das Kasseler Staatsorchester unter Leitung von Patrik Ringborg (rechts). Foto: Fischer

Kassel. Klassiker der Neujahrskonzerte sind Beethovens Neunte oder populäre Programme auf Walzerbasis, wie sie die Wiener Philharmoniker jedes Jahr mit Erfolg zelebrieren. Da ist eine italienische Operngala, wie sie erstmals in Kassel präsentiert wurde, eine originelle und willkommene Abwechslung. Allerdings gibt es dabei ein Problem, und das deutete sich schon in den Unisono-Orchesterschlägen zur Ouvertüre von Verdis „Macht des Schicksals“ an: Anders als die Wiener Operette verbreitet die italienische Oper nicht nur gute Laune. Statt dessen wird gelitten und gestorben, aber auch leidenschaftlich geliebt.

Generalmusikdirektor Patrik Ringborg zog im ausverkauften Opernhaus eine erschreckende Bilanz der Verwüstung, die das Neujahrsprogramm von Verdi, Leoncavallo, Cilea und Puccini hinterlassen hatte: Vierzehn Tote und elf Liebesbeziehungen, darunter zehn gescheiterte.

Das Publikum zog jedoch eine andere Bilanz, und feierte am Ende mit skandierendem Beifall die herausragenden sängerischen Darbietungen. Einziger trüber Gedanke dabei: Man würde in Kassel gern mehr davon auch szenisch auf der Opernbühne erleben. Zum Beispiel das ergreifende Pathos und die stimmliche Klarheit Sara Eternos im Weidelied der Desdemona aus Verdis „Otello“. Oder die reichen lyrischen Farben, die Sara Eterno in der Arie „Ecco, respiro appena“ aus Cileas „Adriana Lecouvreur“ ausspielte.

Eine Demonstration der Stimmkunst gab Ingrid Frøseth mit der Arie der Gilda „Caro nome“ aus Verdis Rigoletto: Leichtigkeit, blitzsaubere Höhe, Intensität - so wird das Publikum die italienische Oper immer lieben.

Nicht minder allerdings wegen ihrer großen Tenor-Hits. Zwei davon präsentierte der Stargast des Abends, der chilenische Tenor Felipe Rojas Velozo: „La donna è mobile“ aus „Rigoletto“ und „Nessun dorma“ aus Puccinis „Turandot“. Velozo vereint alle Qualitäten eines italienischen Tenors: Samtigen Schmelz, leicht metallisches Timbre, Hingabe und Pathos sowie - als sportliche Kategorie - ein hohes C mit Glanz und Power. Bravo!

Als Entdeckung für Kassel erwies sich Espen Fegran. Mit schwarzer Färbung und suggestiver Präsenz sang er Jagos „Credo“ aus „Otello“, hinreißend und kraftvoll den Prolog aus Leoncavallos „Bajazzo“ (I Pagliacci). Ein vielversprechender Auftritt für den Bariton, der demnächst als Beckmesser in Wagners „Meistersingern“ zu erleben sein wird.

Trotz aller schicksalhafter Dramatik dieser Operngala, in der sich das Staatsorchester unter Ringborgs Leitung als souveräner Begleiter gab: Das Neujahrskonzert endete mit Sektlaune: „Brindisi“, das Trinklied aus Verdis „La traviata“, wurde als Zugabe hinreißend dargeboten von Ingrid Frøseth, Maren Engelhardt, Felipe Rojas Velozo und Espen Fegran. Fotos: Herzog/Koch

Von Werner Fritsch

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