Neu im Kino: Die entspannte Mittvierziger-Komödie „Mann tut was Mann kann“

Liebe statt Betthäschen

Liebeskummer-Beratung auf dem Klo: Paul (Wotan Wilke Möhring, links) will dem verzweifelten Günther (Oliver Korittke) helfen. Foto:  Warner

Rotweinhändler werden sich freuen. Selten gab es einen Film, der das gepflegte Zechen derartig zelebriert hat. Nächtelang halten sich in Pauls eleganter Wohnküche ratlose Männer an ihren Gläsern fest, während sie wechselweise ihr Schicksal in Frauenangelegenheiten bejammern oder still in die Verzweiflung gleiten.

Das Liebesleid ist nach der ersten großen Liebe keineswegs zu Ende, auch wenn die typischen Teenie-Romantikkomödien mit ihrer Nonstop-Glücksverheißung das glauben machen wollen. Von echten Erwachsenen in der Mitte ihres Lebens erzählt Marc Rothemunds Komödie „Mann tut was Mann kann“ auf sehr entspannte und sympathische Weise. Seine maskulinen Protagonisten beäugen morgens skeptisch die Gesichtsfalten im Spiegel, haben schon ein paar Ehen hinter sich oder sind - wie Paul - an einem Punkt ihres Lebens angelangt, wo sie merken, dass die ewige Unverbindlichkeit in Frauendingen nicht mehr reicht.

Paul (vielschichtig: Wotan Wilke Möhring) weiß genau, wann es Zeit ist, zu gehen. Das Betthäschen kann noch so sexy sein, wenn sie sich morgens aus den Laken schält, um Karotte-Sellerie-Saft auszupressen, sollte man sich tunlichst verdrückt haben. Denn prompt folgen Fragen wie „Was denkst du gerade?“, auf die Mann nach einer Liebesnacht kaum je die erwartete Antwort geben will.

Im Single-Dasein hat Paul sich ebenso komfortabel eingerichtet wie in seinem schicken Dachterrassenloft mitten in Berlin - bis er die Tierärztin Iris (Jasmis Gerat) trifft, und beim Gassigehen mit einem schnaufenden Riesenvierbeiner neue Seiten an sich entdeckt: Hunger nach echter Liebe. Dummerweise steht Iris kurz davor zu heiraten.

Die Dramaturgie der Story mit ihren Stationen vom entscheidende Rendezvous, dem Hochzeitskleidkauf und der Entscheidung, die Hochzeit verhindern zu wollen, ist konventionell und bedient Genre-Klischees. Was Rothemunds Komödie dennoch so außergewöhnlich und sehenswert macht, sind die Atmosphäre, das eingefangene, glaubwürdige Lebensgefühl der Generation 40 plus und die geschickt angeordneten Figuren, die man schnell ins Herz schließt.

Jan Josef Liefers spielt den dekadenten Affärenkönig Schamski, der über die Frage, mit welcher Frau er die letzte Stunde seines Lebens verbringen würde, nächtelang grübelt, Oliver Korittke ist ein herrlich skurriler Schüchterling Günther, der sich nicht traut, seiner Angebeteten die Zuneigung zu gestehen, und Fahri Yardim spielt den gescheiterten Künstler Bronko, der mit dauerbekiffter Nonchalance weise Sprüche raushaut. Sie alle quartieren sich bei Paul ein - mindestens so- lang der Rotwein reicht.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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