Nur die Liebe zählt: Dr. Eckart von Hirschhausens amüsante Sprechstunde in Kassel

Der Arzt, dem die Menschen vertrauen: Eckart von Hirschhausen gab in seinem Programm „Liebesbeweise“ in Kassel Tipps, damit sich seine Besucher künftig wohlfühlen wie die Pinguine im Wasser - und nicht in der Wüste. Foto:  Malmus

Kassel. Der Arzt Dr. Eckart von Hirschhausen will uns alle zu besseren Menschen machen. Und er versprüht den Optimismus, dass wir dazu in der Lage sind: die Dinge mit Humor und Abstand zu sehen, Macken des Partners zu akzeptieren, miteinander zu wachsen, ein positiveres Körpergefühl zu entwickeln sowie auf „innere Schönheit“ zu achten statt nur auf Leidenschaft. Wenn die anhält, „kommt man zu nichts“.

Phänomenal, wie es dem 43-Jährigen Dienstagabend in der ausverkauften Kasseler Stadthalle gelang, eine Wohlfühl-Atmosphäre zu erzeugen, in der alle stehend und beschwingt „All you need is love“ sangen, in der Tasche viele mit der Clownsnase, die Hirschhausen zugunsten seiner Stiftung „Humor hilft heilen“ verkauft. Sie soll als „emotionaler Airbag“ im Alltag - zumindest gedanklich - helfen, bei Stress und Streit auf Distanz zu gehen.

Hirschhausen ist keineswegs ein begnadeter Sänger (aber sein Begleiter Christoph Reuter ein toller Pianist), ihre Dialoge sind nicht durchgängig spritzig. Aber er schafft es, dass sein Publikum in ein Lied der Dankbarkeit einstimmt, in einem privilegierten Land zu leben, mit dem Refrain „richtig schlecht geht’s uns nicht“.

Wenn Mario Barth sein Erfolgsprogramm über Mysterien der Paarbeziehung nach „Bild“-Zeitungs-Manier präsentiert - immer Brüller, immer in Großbuchstaben -, ist der promovierte Mediziner die von Millionen geschätzte „Apothekenumschau“ des Kabaretts: Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker oder Eckart von Hirschhausen. Gönnen Sie sich einen „mentalen Kurzurlaub“, rät er, indem man den Kopf in das aufgeklappte Cover seiner CD steckt. Das zeigt den Strand von Sylt, der auch auf die Bühnenwand projiziert ist.

Der promovierte Mediziner lotet mit „Liebesbeweise“ viele Facetten zwischen Realismus und Romantik aus (Romeo und Julia waren nie bei Ikea), streut wohldosiert Infos über Hormone und Herzkranzgefäße, Placebo-Effekte und Evolution ein (der Allradantrieb als Pfauenrad des Mannes). Er beschäftigt sich mit Liebeslyrik in Schlagern („schnell weitersingen, bevor jemand grübelt“), vergleicht Schnittblumen-Typen („Modell Schröder-Fischer“) mit Topfpflanzen, die Goldene Hochzeit feiern, aber mal der Nachbar feucht halten muss.

Das Programm ist keine scharfe Medikamenten-Keule mit unerwünschten Nebenwirkungen. Böse ist es nicht. Dass statt zu flirten Checklisten abgehakt würden („Ist das der Mann, der später meine Kinder alle 14 Tage sehen darf?“), ist schon einer der gemeinen Gags. Es gleicht homöopathischen Kügelchen: Man sollte dran glauben. Und Hirschhausen wirkt glaubwürdig: Einer, der weiß, wovon er spricht und einfache, wirksame Ratschläge parat hat, damit es kuschelig warm wird in Deutschland.

Zum Beispiel: Wir sollten unsere Nachbarn kennenlernen, „nicht nur im Gerichtssaal“ - es gibt Situationen, „da nützen 500 Freunde bei Facebook einen Dreck“. Wir sollten tanzen, lachen („die beste Medizin“), auch mal die Sau rauslassen und viele Kinder zeugen.

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