Die Montessori-Theatergruppe Déjà vu spielte ihr Stück „Live on West Side“ im tic

Liebe im zeitlosen Gewand

Bleiben ungerührt: Jugendliche der verfeindeten Banden berichten Constable Krupke (Alex Richert) und Sozialarbeiterin Gladhand (Lara Springer, rechts) von ihren gleichermaßen desolaten Familienverhältnissen. Foto: Polk

Kassel. Eine einzelne Violine stimmt eine Melodie an, die den Nebel im Raum durchdringt. Im Zwielicht nähert sich eine junge Frau (Leticia Wahl) einer Gestalt (Moritz Thomas), die am Boden liegt. Sie kniet nieder, nimmt die Hand des blassen Jungen und trauert.

Szenenwechsel im Stück „Live on West Side“, das die Montessori-Theatergruppe Déjà vu im Theater im Centrum (tic) auf die Bühne brachte. Aus den Lautsprechern ertönt „We don’t need no education“ von Pink Floyd. Auf der Bühne steht eine Gruppe junger Menschen, selbstbewusst, trotzig, stolz. Hinter ihnen ist ein Straßenzug vor der New Yorker Skyline zu erkennen. Die Frauen tragen bunte Kleider im Stil der 50er-Jahre.

Conzuela, Telesita und Rosalina erzählen aus ihrem Leben. Sie kommen aus Puerto Rico, träumen von Liebe und Unabhängigkeit. Und sie gehören zu den Sharks, einer Straßenbande, deren größte Feinde die amerikanischen Jets sind.

Liebe, Hass und Vorurteile, das sind die Zutaten für Shakespeares „Romeo und Julia“ ebenso wie für Leonard Bernsteins „West Side Story“. Die Theatergruppe Déjà vu vu hat in ihrem Stück „Live on West Side“ Handlungen und Orte miteinander verwoben. Dabei wechselten die Darsteller mühelos zwischen den Zeiten.

Den Wechsel von den Originaltexten Shakespeares zur Sprache der Jugendlichen erleichterte die Figur der stets beschwingt-beschwipsten Sozialarbeiterin Gladhand, toll gespielt von Lara Springer.

„Mensch Krupke“, so begann fast jeder Dialog mit dem mürrischen und desillusionierten Constable (Alex Richert), der für die Beendigung der Bandenkriege in seiner Straße nur die Lösungen hat: wegsperren oder liquidieren.

Unter der Leitung von Theaterpädagogin Petra Sturm-Thomas überzeugten die 14- bis 21-Jährigen bei der Premiere mit teils herausragenden schauspielerischen, tänzerischen und gesanglichen Fähigkeiten. Das Publikum dankte mit Szenenapplaus und wurde mit einer Zugabe belohnt.

Von Ilona Polk

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