Lieben, kämpfen, singen: Das Musical „Les Misérables“ im Kino

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Viel Leid: Fantine (Anne Hathaway) und Jean Valjean (Hugh Jackman) in „Les Misérables“.

Es ist eine Eingangssequenz von ungeheurer Wucht. Abgemagerte Sträflinge schleppen unter Aufbietung der letzten Kräfte ein großes Schiff ins Dock, unter ihnen Jean Valjean (Hugh Jackman), der einen Mund voll Brot stahl und dafür fast 20 Jahre einsaß.

Aufseher Javert (Russell Crowe) hat besondere Freude daran, Häftling 24601 noch einmal zu quälen, bevor er ihn auf freien Fuß setzt.

Es herrschen raue Sitten im Frankreich des frühen 19. Jahrhunderts. Und nur, weil es sich bei „Les Misérables“ um ein Musical handelt, haben alle einen Grund zum Singen.

Der Bischof Myriel (Colm Wilkinson) gewährt Valjean Unterschlupf, nur um postwendend um sein Tafelsilber erleichtert zu werden. Als die Polizei den Dieb an den Gottesmann übergibt, erteilt dieser dem entmenschlichten Ex-Sträfling eine Lektion in Humanismus. Er greift zur Notlüge und nimmt den Langfinger in Schutz.

Jahre später ist Valjean ein erfolgreicher Arbeitgeber. Allerdings kann er nicht verhindern, dass die Arbeiterin Fantine (Anne Hathaway) aus der Fabrik zur Prostitution gezwungen wird. Als die junge Frau aus dem Leben scheidet, nimmt Valjean deren Tochter Cosette (als Erwachsene gespielt von Amanda Seyfried) an Kindes statt an. Unterdessen ist Javert zum Polizeiinspektor aufgestiegen. Die Jagd nach Valjean, der gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hat, ist für ihn zur Besessenheit geworden.

Regisseur Tom Hooper („The King’s Speech“) bringt „Les Misérables“ als musikalisches Gesamtkunstwerk auf die große Leinwand und erntete dafür acht Oscar-Nominierungen. Zweieinhalb Stunden lang wird gesungen, nur selten geredet, geliebt, gekämpft und vor allem gelitten. Nein, das ist keine leichte Kunst. Wer das Musicaltheater als Ort unbeschwerter Unterhaltung sieht, wird hier Probleme mit dem Sitzfleisch bekommen. Für Fans der Bühnenversion aber dürfte sich ein Traum erfüllen.

Große Kulissen, gestandene Bühnenkünstler und Filmstars, die sich redlich mühen, gesanglich mitzuhalten (nicht immer mit Erfolg), dazu eine an Tragik kaum zu überbietende Geschichte - das ist ganz großes Kino. Und wenn Hathaway ihr „I Dreamed A Dream“ anstimmt und dabei das ganze Leid dieser Welt auf ihren zarten Schultern trägt, schmilzt das Eis noch um das letzte kalte Herz.

Genre: Musical

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: vier von fünf Sternen

www.hna.de/kino

Von André Wesche

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