Mit Sabrina Ceesay als Gretchen feierte der „Urfaust“ vor der Löwenburg seine Wiederaufnahme

Die Liebestragödie im Irrgarten

Gefährliches Zusammentreffen: Sabrina Ceesay als Gretchen (links) und Birte Leest als Mephisto beim Sommertheater des Staatstheaters an der Löwenburg. Foto:  Klinger

Kassel. Auch in diesem Jahr schickt das Staatstheater Goethes berühmten Wissenschaftler zum Teufel. Wie schon 2013 unter freiem Himmel und vor der Löwenburg. Ein großartiges Szenario für den „Urfaust“, dieses aufwühlende Werk, das Regisseur Volker Schmalöer mit einem guten Schuss grotesken Humor gewürzt hat. Entstanden zwischen 1772 und 1775, fokussiert der „Urfaust“ auf die tragische Liebesgeschichte von Faust und Gretchen.

Vor 200 Besuchern wurde am Mittwoch Wiederaufnahme gefeiert. „Das Wetter hält“, machte Intendant Thomas Bockelmann den Gekommenen Mut. Wieder zog die beeindruckende Bühne von Daniel Roskamp die Besucher in den Bann: Akkurat gezogene Wände, mal Versteck, mal Begrenzung, unterbrochen von Durchlässen und konfiguriert als Irrgarten - ein treffendes Bild für den nach Lust und Liebe suchenden Wissenschaftler Faust. Ein Pakt mit dem Teufel soll ihm helfen. Die Folgen: Gretchen, brav, jung und von rigider Kirchenmoral gestanzt, wird von ihm schwanger, tötet ihr Kind und wartet im Kerker auf ihren Henker.

Für die Aufführung gab es lang anhaltenden Beifall. Die großartigen Darsteller und die Idee, Faust gleich dreifach zu besetzen – als jungen Verführer (Peter Elter), als Mann mittleren Alters (Enrique Keil) und als alten, zurückblickenden Wissenschaftler (Jürgen Wink) –, punkteten beim Publikum. Ebenso die beeindruckenden, aus der Dunkelheit strahlenden Bilder und ein Mephisto, der hier eine Frau ist: Birte Leest – einfach toll als cooler, zynischer, intelligenter Höllenfürst.

Also alles wie im letzten Jahr? Nein: Sabrina Ceesay, vielen Theatergängern als Anne Frank in Erinnerung, löst Anna-Maria Hirsch als Gretchen ab. Zuvor wurde diskutiert: Ein Gretchen mit dunklen Haaren, dunklen Augen, dunklem Teint? Passt das? Ja, es passte, denn nicht die Haarfarbe, sondern Charisma und Seele zählen hier. Sabrina Ceesay bewies das. Und dass sie eine gute Schauspielerin ist. Zwar lotete sie die Tragik ihrer Figur, die ja eigentlich schon beim ersten Zusammentreffen mit Faust einsetzt, erst spät aus, dem frommen, braven und dem verführbaren Gretchen aber gab sie eine glaubhafte Aura. Ein guter Einstieg in eine schwere Rolle.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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