Neu im Kino: Die romantische Kochkomödie „Bon Appetit“ mit Nora Tschirner bleibt vorhersehbar

Liebeswerben mit Minzbonbons

Unbeschwerter Moment: Daniel (Unax Ugalde) und Hanna (Nora Tschirner, beide rechts) beim Abendessen mit Freunden. Foto:  Warner/ nh

Minzbonbons sind Daniels Geheimnis einer Kochkreation für seinen Schwarm Hanna. Die werden auch dringend benötigt, denn an Zutaten für das Verführungsessen stehen sonst nur eine Packung Nudeln, zwei Eier und eine halbe Orange zur Verfügung.

In Splitter zerquetscht sorgen die Lutschpastillen somit für den Aha-Effekt. Doch in der romantischen Komödie „Bon Appetit“ nützt das Brutzel-Programm erst mal nichts. Denn Daniel und Hanna sind zwei Vertreter jener 20-Plus-Generation, die sich nicht festlegen will. Weder in der Liebe noch im Beruf. Und so eiern die beiden endlose 137 Minuten durch den Film des Spaniers David Pinillos, bis es endlich klappt mit Traumpartner und Traumjob.

Ihnen bei ihrer Entscheidungsschwäche zuzusehen, ist allerdings fade wie eine zu stark verdünnte Bouillon. Denn die Geschichte um den Koch und die Sommelière bleibt vorhersehbar, bei jedem eingeführten Detail, wie bei dem verrammelten Restaurant an wilder Küste, kann man sich sofort zusammenreimen, welche Rolle es später spielen wird.

Dass die Handlung in einem Gourmettempel angesiedelt ist, ist zudem eine Mogelpackung - wie die Schaumenüs, die an Fürstenhöfen vergangener Tage gekocht und dann nur ausgestellt, aber nicht gegessen wurden. Denn die Sinnlichkeit des Essens, der Zauber eines perfekt gekochten Mahls - hier werden sie nicht erlebbar in Szene gesetzt.

Im Grunde ist das Setting willkürlich. Das Einzige, was sich vermittelt: In der Zürcher Nobelküche von Thomas (Herbert Knaup) geht es extrem hektisch zu, die jungen Mitarbeiter Daniel (Unax Ugalde mit Welpen-Charme) und Hugo (Giulio Berruti) werden kujoniert, Sommelière Hanna (wie immer süß: Nora Tschirner) wird als Geliebte an der langen Leine gehalten.

Von subtiler Koch-Erotik wie in „Bella Martha“ oder „Babettes Fest“ ist das so weit entfernt wie Kochbeutelreis vom Risotto. Vielleicht dient das Küchen-Ambiente aber auch nur dazu, beneidenswerte junge Menschen vorzuführen, die sich ihre Ziellosigkeit im Leben offenbar ebenso leisten können wie ihre dicken Autos und loftartigen Wohnungen (in denen es aber außer den Minzbonbon-Nudeln nichts zu essen gibt).

Wie der dailysoap-artige Streifen aus verschiedenen europäischen Fördertöpfen finanziert wurde, zeigt sich an aufdringlich in Szene gesetzten Stadt-Szenerien - das morgendliche Zürich, das nächtliche Bilbao, das sonnendurchflutete München wirken wie aus dem Reisekatalog.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: !!:::

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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