Prinz Asfa-Wossen Asserate erhielt in Kassel den Jacob-Grimm-Preis

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Ehrung mit dem Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache: Prinz Asfa-Wossen Asserate vor der Kasseler Stadthalle.

Kassel. Die Frage wird Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate oft gestellt: Was er als Heimat ansehe, sein Geburtsland Äthiopien oder Deutschland, wo er seit mehr als 40 Jahren lebt?

Die Antwort in Kassel kam klar und bestimmt: „Deutschland ist meine Heimat, und Äthiopien ist mein Vaterland.“

Prinz Asserate (66), ein Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie, erhielt am Samstag im voll besetzten Blauen Saal der Kasseler Stadthalle den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache aus den Händen der Frankfurter Oberbürgermeisterin a.D. Petra Roth. Als „Meister der deutschen Sprache“ würdigte Roth Asserate, der in mehreren seiner Bücher seine zweite Heimat mit liebevollem, aber nicht unkritischem Blick porträtiert. Titel wie „Draußen nur Kännchen“ und „Deutsche Tugenden: Von Anmut bis Weltschmerz“ stehen dafür, wie der Jurist und Historiker „anspruchsvolle Themen in leichter, luftiger Sprache“ (Roth) behandelt.

Doch Asserate, der beim gewaltsamen Umsturz in Äthiopien 1974 viele Familienangehörige verlor, erklärt den Deutschen auch mit Büchern wie „Afrika: die 101 wichtigsten Fragen und Antworten“ den großen Kontinent im Süden.

In seiner Dankesrede erinnerte Asserate daran, dass Deutschland die Wiege der Äthiopistik war - und verband dies mit dem Appell, die sogenannten Orchideenfächer an den Universitäten nicht weiter zurückzudrängen. Im Hinblick auf die ankommenden Flüchtlinge betonte er, der selbst als Kind bereits Deutsch lernen konnte, wie wichtig die Sprachförderung für das Ankommen in der neuen Heimat ist.

Die weiteren Preisträger

Initiativpreis:

Den Initiativpreis Deutsche Sprache erhielt in Kassel das Wortart-Ensemble mit den Vokalisten Lena Sundermeyer, Hannah Ginsburg, Anne Munka und Lars Ziegler. Die A-cappella-Formation vertont vorzugsweise anspruchsvolle Lyrik, aber auch andere, teils skurrile Texte wie einen Wetterbericht. 2011 sorgte das Ensemble (mit damals noch fünf Musikern) für die Umrahmung der Verleihung des Jacob-Grimm-Preises an die Lyrikerin Nora Gomringer. Daraus entstanden eine intensive Zusammenarbeit und das Album „Wie sag ich Wunder“. Lena Sundermeyer bedankte sich für den Initiativpreis, der eine „Ermutigung“ sei, und das Ensemble sang, heftig beklatscht, den Titel „Das plötzliche Land“ nach Rose Ausländer.

Institutionenpreis:

Das Sprachinstitut des Österreichischen Bundesheeres erhielt den Institutionenpreis Deutsche Sprache für seine Bemühung um sprachliche Schulung und Bildung von Wehrpflichtigen deutscher und anderer Muttersprache und die sprachliche Begleitung von UN-Friedenseinsätzen österreichischer Soldaten. Laudator Prof. Dr. Walter Krämer, Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache, verwies auf die Tradition der Sprachschulung, die beim österreichischen Militär bis in die Habsburgerzeit reicht. Oberst Dr. Josef Ernst verwies in der Dankesrede darauf, dass die Sprachförderung durch die Zunahme von Migration immer wichtiger werde. Dabei gehe es neben der Verständigung im Dienst auch darum, die Chancen der jungen Staatsbürger auf dem Arbeitsmarkt nach ihrer Wehrdienstzeit von derzeit sechs Monaten zu erhöhen.

Hintergrund:

Der Kulturpreis Deutsche Sprache wird seit 2001 jährlich in drei Kategorien in Kassel verliehen. Vergeben wird er nach Jury-Entscheid von der Eberhard-Schöck-Stiftung (Baden-Baden) und dem Verein Deutsche Sprache.

• Hauptpreis ist der mit 30 000 Euro dotierte Jacob-Grimm-Preis für Personen, die sich um die Weiterentwicklung und Pflege der deutschen Sprache besonders verdient gemacht haben.

• Der Initiativpreis (5000 Euro) geht an Personen oder Gruppen, die Ideen zur Weiterentwicklung der deutsche Sprache umsetzen.

• Der Institutionenpreis (undotiert) zeichnet Einrichtungen für ihr Bemühen um klares, verständliches Deutsch aus.

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