Von Kiel bis Kochel widmen sich zahlreiche Ausstellungen verschiedenen Aspekten des Expressionismus

Die liebste Kunstrichtung

Max Pechstein: Mädchen mit rotem Fächer (1910). Foto: Kunsthalle zu Kiel

Verzerrte Formen in grellen Farben: Der einst von den Nazis als „entartete Kunst“ verteufelte Expressionismus ist den Deutschen wie keine andere Kunstrichtung der letzten 100 Jahre ans Herz gewachsen. In diesem Herbst wird er mit zahlreichen Ausstellungen gefeiert. Im Blickpunkt stehen die Vertreter der 1905 in Dresden gegründeten Künstlervereinigung „Die Brücke“ und die Künstler im Umfeld des „Blauen Reiters“ (1911-1914), der seine Aktivitäten von München aus entfaltete.

An den von Franz Marc und Wassily Kandinsky initiierten Ausstellungen und dem Almanach des Blauen Reiters beteiligte sich August Macke, die Galionsfigur des rheinischen und westfälischen Expressionismus. Zu dessen bedeutendsten Vertretern gehören Christian Rohlfs, Wilhelm Morgner, Peter August Böckstiegel und Hermann Stenner. Ihr Schaffen stellt die Kunsthalle Bielefeld vor, um auf die meist Übersehenen hinzuweisen und so das Bild der Avantgarde in Deutschland zu erweitern.

Die Ausstellungen zu den Brücke-Künstlern konzentrieren sich in Norddeutschland. Zeichnungen, Druckgrafiken und Gemälde aus allen Schaffensphasen Kirchners präsentiert die Hamburger Kunsthalle. 70 Aquarelle und 25 Gemälde Heckels sind in der Kunsthalle Emden ausgestellt. Pechstein wird in der Kunsthalle zu Kiel mit einer spektakulären Retrospektive gefeiert. Neben bekannten Meisterwerken werden zehn bislang der Öffentlichkeit unbekannte Gemälde gezeigt.

Zum Verhältnis von Brücke-Künstlern und den Vertretern des Blauen Reiters erklärt Volker Rattemeyer, Direktor des Museum Wiesbaden: „Beide Strömungen haben unterschiedliche Wurzeln und Auswirkungen. Verkürzt gesagt, lässt sich die Kunst der Brücke eher einer figurativen, die Kunst aus dem Umfeld des Blauen Reiters eher einer auf Abstraktion zielenden künstlerischen Haltung zuordnen.“

Ausstellungen in der Mitte und im Süden Deutschlands widmen sich dem Blauen Reiter. Erstmals präsentiert das Münchener Lenbachhaus seine herausragende Sammlung farbsprühender Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken von Franz Marc, Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky, August Macke, Paul Klee und weiteren Künstlern des Blauen Reiters. Zwischen Marc und Klee entwickelte sich eine Freundschaft, die für beider Entwicklung von herausragender Bedeutung war. Das veranschaulicht das Franz-Marc-Museum in Kochel mit Briefen, Postkarten sowie mit Werken, die Marc und Klee einander verehrten.

„Das Geistige in der Kunst“ nannte Wassily Kandinsky seine 1912 veröffentlichte kunsttheoretische Schrift. In ihr führt er aus, dass die Farben eine direkte Auswirkung auf die Seele des Kunstbetrachters haben. Unter dem Titel „Das Geistige in der Kunst“ wird das Museum Wiesbaden eine Ausstellung zeigen. Sie stellt die Kunst der Vertreter des Blauen Reiters vor und veranschaulicht deren Wirkung auf die Malerei von Künstlern im Amerika der 40er- und 50er-Jahre.

Westfälischer Expressionismus. Kunsthalle Bielefeld, 31.10.2010 bis 20.2.2011. Erich Heckel: Vom Aquarell zum Gemälde. Kunsthalle Emden, bis 9.1.2011. Ernst Ludwig Kirchner. Hamburger Kunsthalle, 7.10.2010 bis 16.1.2011. Max Pechstein: Retrospektive. Kunsthalle zu Kiel, 19.9.2010 bis 10.1.2011. Der Blaue Reiter: Ein Tanz der Farben. Lenbachhaus München, bis 26.9. 2010. Paul Klee und Franz Marc: Dialog in Bildern. Franz-Marc-Museum, Kochel, bis 3.10.2010. Das Geistige in der Kunst: Vom Blauen Reiter zum Abstrakten Expressionismus. Museum Wiesbaden, 31.10.2010 bis 27.2.2011. Gesamtkunstwerk Expressionismus. Mathildenhöhe Darmstadt, 24.10.2010 bis 13.2.2011.

Von Veit-Mario Thiede

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