Beste Unterhaltung

Tolles Musical von Studio Lev: Liebt euch wie im Märchen

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Tolle Darsteller: (von links) Yasmina Hempel (Dorothea), Markus Schön (Oma Eule) und Hannah Wagner (Wildi).

Kassel. Die wichtigste Erkenntnis aus seinem neuen „Grimm!“-Musical hat das Studio Lev im wahren Leben längst umgesetzt. In der neuen Produktion mit dem Untertitel „Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf“ fragt ein Tier, warum es andere Tiere eigentlich liebhaben soll. Darauf antwortet Oma Eule: „Weil wir zusammen Dinge schaffen, für die wir allein zu schwach sind.“

Gemeinsam und mit viel Liebe hat der 2009 aus der Kunsthochschule hervorgegangene Verein ein Stück auf die Bühne gebracht, das märchenhaft schön und tierisch stark ist. Das per Crowdfunding finanzierte Projekt mit jungen Darstellern, die zum Teil erstmals auf der Bühne stehen, bietet zwei Stunden beste Unterhaltung für die ganze Familie.

Dabei stellt das von Texter Peter Lund und Komponist Thomas Zaufke geschriebene Stück, das vor drei Jahren in Graz uraufgeführt wurde, die Grimm-Märchen ziemlich auf den Kopf - und ist so deutlich subversiver als die Produktionen des Brüder-Grimm-Festivals im Park Schönfeld.

In „Grimm!“ verliebt sich das 14-jährige Rotkäppchen, das Dorothea genannt werden will, in den Wolf. Sie überredet ihn, mit ins Dorf zu kommen, in dem sieben Geißlein wohnen, ein Hund Bürgermeister ist und Schweinchen Schlau eine Art Donald Trump auf vier Beinen. Der macht miese Stimmung gegen den angeblich so bösen Wolf. So aktuell wie der von Regisseur Janis Knorr (23) temporeich inszenierte Märchen-Mix waren die Grimms selten.

Mit viel Wortwitz behandelt die Fabel nicht nur die Angst vor dem Fremden, sondern auch Fragen nach Identitätsfindung und Geschlechterrollen. Das klingt kompliziert, kommt aber ganz leicht daher. Ähnlich funktioniert die Musik, die einerseits durch viele Tempowechsel gekennzeichnet ist, anderseits mit ihren schmissigen Gassenhauern nach „Dreigroschenoper“ oder einem Udo-Jürgens-Medley klingt.

Der böse Wolf ist ein Lieber: Dennis Marställer (Grimm).

Die Darsteller treffen nicht immer jeden Ton, liefern aber trotzdem eine erstaunliche Ensemble-Leistung. Die erst 16-jährige Yasmina Hempel ist als Rotkäppchen eine Wucht, Markus Schön sieht als Oma Eule aus wie eine Mischung aus Hildegard Knef und dem Bibo-Vogel aus der „Sesamstraße“. Und nicht nur Dennis Marställer als grimmiger Wolf wirft das grüne Papierkonfetti immer wieder über das minimalistische Bühnenbild, sodass man sich tatsächlich wie im Wald fühlt.

Nicht nur auf der Bühne hat das 50-köpfige Team Dinge erschaffen, für die man allein zu schwach wäre. Auch Programmheft und Internetauftritt sind sehr professionell. Und am Merchandising-Stand gibt es Postkarten mit dem Zitat: „Ihr sollt euch liebhaben.“ Die kann man gar nicht oft genug verschicken.

Infos und Service

Darsteller: Dennis Marställer (23 Jahre, Kassel), Yasmina Hempel (16, Berlin), Lisanne Schröder (25, Mainz), Susanne Blodt (17, Kassel), Markus Schön (22, Kassel), Hannah Malou Wagner (17, Kassel), Julian Carly (19, Göttingen), Denis Riffel (20, Berlin), Anna Hase (23, Kassel), Mascha Bodden (21, Kassel), Melissa Bucan (11, Kassel), Samantha Steinmetz (16, Kassel), Christian Biegler (16, Kassel) und Fabian Reinbott (18, Kassel).

Musiker (alle aus Kassel): Christian Köhn (Leitung, Klavier), Katharina Müller (Synthesizer), Alexander Weyh (Gitarre), Nick Friese (Trompete), Lukas Prelle (Perkussion).

Weitere Vorstellungen: heute, Samstag und Sonntag sowie am 1., 2. und 4. September (jeweils 19.30 Uhr) im Dock 4, Untere Karlsstraße 4.

Karten: gibt es für 14 sowie ermäßigt 7 Euro unter www.grimm-musical.de

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