Liszt und Mahler in der Emmauskirche

Lieder und Damen

Reif und raffiniert: Vera Weht (links), Traudl Schmaderer.

Kassel. Was hat das Komponieren von Liedern mit Erotik zu tun? Sehr viel, wie 80 Konzertbesucher am Freitag in der Emmauskirche am Brasselsberg erfuhren. In ihren Essays zum Liederabend mit Werken von Liszt und Mahler knöpfte sich die Autorin Verena Joos auch die Amouren beider Tondichter vor.

Mit ihrer geistreichen Ironie berichtete die früher in Kassel und seit einigen Jahren in Wien lebende Schriftstellerin unter anderem von Mahlers Kasseler Zeit. Unglücklich verliebt war er, was ihn zu seinen „Liedern eines fahrenden Gesellen“ inspirierte. Und bei seinen Proben mit Sängerinnen des Theaters soll sicherheitshalber eine Aufsichtsperson dabei gewesen sein. Ein vielseitig interessierter Korrepetitor offenbar.

Nicht unterschiedlicher könnten die Lieder beider Komponisten sein. Bei Liszt fasziniert vor allem die Harmonik, während Mahler einen ganz eigenen, doppelbödig mit dem Volkstümlichen spielenden Tonfall geprägt hat.

Sopranistin Traudl Schmaderer wurde beiden Stilen gerecht. Zehn Liszt-Stücke und sieben von Mahlers „Wunderhorn“-Liedern gab es auswendig und in reifer Interpretation bis hin zu Komödiantik bei Mahler. Pianistin Vera Weht machte sensibel, raffiniert wie unaufdringlich die Liedkunst komplett. Für den Beifall bedankten sich die Musikerinnen mit dem „Lob des hohen Verstandes“. Es ist Mahlers Gruß an die Kritikerzunft: Ein Esel richtet über den Gesang von Kuckuck und Nachtigall.

Von Georg Pepl

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