Konzert mit Stefan Hülsermann und Ji-Youn Song

Lieder ohne Worte

Fabelhaft: Stefan Hülsermann und Ji-Youn Song. Foto: Schachtschneider

Kassel. In seinem Essay „Das Verhältnis zum Text“ berichtet der Komponist Arnold Schönberg von einer bemerkenswerten Beobachtung: Ohne den Text eines Liedes zu kennen, habe er dessen Inhalt tiefer erfasst, als wenn er an der Oberfläche der Wortgedanken haften geblieben wäre.

Dass Schuberts und Schumanns Lieder in der Tat auch ohne Worte tief wirken, erfuhren 50 Zuhörer beim Dozentenkonzert im Saal des Instituts für Musik: Der Klarinettist Stefan Hülsermann und die Pianistin Ji-Youn Song boten Transkriptionen von romantischen Liedern in subtiler Verflechtung mit zeitgenössischen Werken. Zu bewundern war ein feinsinniges Musizieren, denn es gab eine fabelhafte pianistische Anschlagskultur und einen lyrisch gesanglichen Klarinettenton. Einprägsam auch die agogische Finesse, also die bedachtsam freie Tempogestaltung, bei den romantischen Stücken.

Zwischen den Romantikern waren zeitgenössische Seelenverwandte anzutreffen. Etwa der frühere Kasseler und jetzige Wiener Komponist Reinhard Karger, von dem die Musiker „Sie saß in der Nachmittagssonne und rauchte“ spielten. Ji-Youn Song formte jeden der messiaenhaften Akkorde mit Sensibilität, Klarheit und Anmut.

Einen starken Kontrast setzten die „Fünf Bruchstücke“ von Jörg Widmann. Musik von dramatischer Klangfantasie, als etwa zu Klappengeräuschen der Klarinette eine jazzig-metallische Härte des präparierten Klaviers kam. Nicht weniger eindrucksvoll darauf Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“. Das Publikum dankte mit viel Beifall.

Von Georg Pepl

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