Liedermacherin Anna Depenbusch stellte im Kasseler Kulturzelt ihre aktuelle CD vor

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Wie eine verträumte Prinzessin aus einer anderen Zeit: Liedermacherin Anna Depenbusch bei ihrem Auftritt im Kasseler Kulturzelt.

Kassel. Kopfüber in das Leben. Die 50er-Jahre-Prinzessin auf der Bühne wirft sich übermütig in ihren ersten Song: „Wir werden frei sein“, singt sie, trällert sie, jauchzt sie. Ein Wohlfühllied als Intro. Gleich danach folgt der titelgebende Song ihrer aktuellen CD.

Und schon schleicht sich das ein, was immer auch die Lieder der Anna Depenbusch ausmacht, ein wenig Einsamkeit und ein bisschen Melancholie. Ein Fetzen Hawaiitapete an der Wand, „damit ich ohne Dich nicht erfrier, bau ich mir meinen Sommer aus Papier“. So ist das Leben der Anna Depenbusch, mal überbordend, mal traurig, aber immer mit Hoffnung.

Die letzte Station auf ihrer Sommertournee ist Kassel. „Schön gemütlich hier“, ruft sie ihren Fans im ausverkauften, heißen Kasseler Kulturzelt zu. Mit ihrer vierköpfigen Band im Hintergrund – sie selbst spielt Klavier, Gitarre und Ukulele – surft sie durch die Töne und Klanglinien, wechselt unangestrengt zwischen Kopf- und Bruststimme, changiert zwischen Nachdenklichkeit und Heiterkeit.

Meisterin der Brüche

Die preisgekrönte Hamburger Pop-Chansonsängerin mit dem Schneewittchengesicht über dem weit schwingenden Retrokleid ist eine Meisterin der Brüche, charmant in ihren Moderationen, aber immer mit Ironie. Dabei klingt alles so sommerluftig, ihre Geschichten aus dem Alltag, ihre Liebeslieder, ihre Sehnsuchtssongs vom Meer.

Die 35-Jährige schreibt ihre Lieder selbst auf Deutsch. Sie ist eine Liedermacherin, die, die Menschen und den Alltag wahrnimmt, Besonderheiten zu kleinen Geschichten formt und plötzlich einen überraschenden Salto in die Fantasie macht.

Nichts ist so einfach, wie es scheint: „Komm schwimm weiter, erst durch Feuer, dann durch Eis“, gerät dann zu einem Durchhaltelied mit fein ziselierten Tönen. Der „Astronaut“ erzählt von einem Menschen ohne Bodenhaftung, nicht eingebunden in dieses Leben. „Davon gibt es viele“, sagt sie, „aber man muss sich doch öffnen.“

Eine aus der Zeit gefallene Prinzessin

Die Optimistin mäandert herrlich witzig durch den tragikomischen Liebesreigen „Tim liebt Tina“, und schließlich stellt sie ihren „Benjamin“ vor: am Klavier, ganz allein auf der Bühne, ein letzter Song, bevor die Lichter ausgehen und mittendrin ein gesungener Orgasmus: „Ben, ja, ja, ja, ja, jaaaaaa.“ Das Zelt außer Rand und Band, Standing Ovations.

Das Nordlicht macht sich mit ihrer Band (Anne de Wolff, Geige / Posaune / Percussions, Ulle Rode, Gitarre, Oliver Carstens, Kontrabass; Marco Moeller, Schlagzeug) auf den Heimweg. „Das Schiff steht draußen an der Straße“, sagt Anna Depenbusch und lächelt. Prinzessinnen, die ein wenig aus der Zeit gefallen sind, reisen wohl immer so.
(von Juliane Sattler)

Mittwoch, 19.30 Uhr, im Kasseler Kulturzelt: Youn Sun Nah

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