Die BBK-Ausstellung „Zeichnungen IV“ mit 26 Künstlern im Südflügel des Kulturbahnhofs

Die Linie weiter gedacht

Zeichnen mit Schwarzlicht, Bändern und Spiegeln: Ursula Eskes Installation „Umgeleitet“. Fotos:  BBK

Kassel. Die Grenzen sind fließend und weiten sich bis zum anderen Genre. Die Linie, die Zeichnung, das skizzenhaft Hingeworfene, das akribisch Feine erhält dann die Anmutung einer Malerei oder wird gar zum zeitgenössischen Medium der Installation.

„Zeichnungen IV“ ist das Thema der BBK-Ausstellung im Südflügel des Kulturbahnhofs. Der Titel verweist auf die Kontinuität dieser BBK-Ausstellungsreihe und lässt den 26 Mitgliedern des Vereins einen großen Interpretations-Freiraum für ihre künstlerische Ausdruckskraft. So entsteht ein beeindruckender Spiegel des Schaffens der Region.

Künstler haben ihre eigene Sprache, die sie mit Jahren verfeinern und reifen lassen: Christine Reinckens’ „Variationen des Wartens“ assoziieren in ihrer Grisaille-Technik (Tusche, Eitempera und Ölfarbe auf Buchenholz) das gemalte Bild: Drei nebeneinander gehängte Werke zeigen Wartende in verschiedenen Positionen, ein Hauch von Introvertiertheit und Stille umgibt sie.

Viele der ausgestellten Exponate wenden sich dem Menschen zu: Helga Bender graviert in ihren „Stationen der Liebe“ sich streckende und berührende Hände auf Glas: Die letzten Hände dann verändern sich zum Skelett, der Tod ist nah - eine sensible, feine Arbeit. In seinen „Streiflichtern“ entwickelt Wolfgang Birgmeier in akribisch gemalten Bleistiftzeichnungen das Deutschland der 50er-Jahre: Hier scheint die virtuos gehandhabte Zeichnung das Medium Fotografie auf frappierende Weise weiter zu denken.

Kleine, zarte Menschenporträts zeichnet Jean Boskja Missler mit großer Meisterschaft auf das Papier, Hildegard Schwarz entführt in ihren Zeichnungen in das „Land der Stühle“ und findet dabei zu einer abstrakten Sprache. Rudolf Kroth überrascht in seinen Grafitzeichnungen mit geometrischen Formen, die eine spielerische Leichtigkeit aufweisen.

Norbert Städeles Triptychon aus Baumstämmen verbindet die Zartheit der Bleistiftlinie mit der Präsenz der Malerei zur geheimnisvollen Waldlandschaft. Und deutet Wladimir Olenburg die Zeichnung neu: Als Laserinstallation unter der Deckenwand: eine kühle Linienlandschaft, entstanden durch Momentaufnahme und Langzeitbelichtung.

Begleitet werden diese Werke in der von der SV Sparkassen-Versicherung geförderten, sehenswerten Ausstellung durch die „Eintag?Fliegen“ von Margrit Gehrhus: Kleinformatige Blätter, auf denen verstreute Lichtpunkte auf dunklem Grund den Beginn einer Linie vollziehen.

Zeichnungen IV, bis 18.9., Südflügel im Kulturbahnhof, Di-Fr 16-19, Sa und So 15-20 Uhr. Führung mit Dr. Ellen Markgraf am Sonntag, 18.9., 16 Uhr.

Von Juliane Sattler

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.