Zwölf Musiker unterstützten den Schlagersänger

Der Lionel Messi der Musik: Semino Rossi begeisterte in Kassel

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Perfekter Charmeur: Semino Rossi beim Auftritt in der Kasseler Stadthalle.

Kassel. Mit einer perfekten Inszenierung trat der argentinische Schlagersänger am Samstagabend in der fast ausverkauften Stadthalle in Kassel auf.

Deutschland war schon immer eine gute Adresse für Schlagerimporte aus der ganzen Welt. Die Amerikanerin Peggy March, die goldene Stimme aus Prag, Karel Gott, und die Griechin Nana Mouskouri, die dem Wirtschaftswunder weiße Rosen aus Athen mit auf den Weg gab, erfreuten sich großer Beliebtheit. Nicht zu vergessen Roberto Blanco, der in Tunis geboren wurde, der Südafrikaner Howard Carpendale, die Französin Mireille Mathieu, und, und, und. Alle mit feinem Gespür für die Musikvorlieben der Deutschen. Und alle lieferten. Hätte man damals die Kultur der türkischen Gastarbeiter nicht ignoriert, hätten wir bei der derzeitigen Flüchtlingswelle weniger Probleme.

Auch der argentinische Sänger Semino Rossi, der am Samstagabend in einer fast ausverkauften Kasseler Stadthalle begeisterte, verfügt über solch chamäleonartigen Kompositionen, mit denen er sich souverän durch das deutsche Schlagerparadies manövriert.

Konzert von Semino Rossi in der Stadthalle

Ihn jedoch auf „Rot sind die Rosen“ und „Bella Romantica“ zu reduzieren, wäre so, als würde man seinen Landsmann Lionel Messi nur nach seinen Toren beurteilen, nicht nach seiner genialen Fußball-Spielkunst. Rossi verfügt über eine prägnante Stimme, die er nuancenreich einzusetzen vermag. Damit kann er alles abrufen, was das anspruchsvolle Schlagerherz begehrt. Südamerikanisches Temperament, jazzige Balladen, Ramazotti-Pop, Walzer-Romantik - und Klassiker wie „La Bamba“. Deutschen Schlager und ein ChaCha-Potpourri, mit „Sway“ an der Spitze, präsentiert er in sauber intonierter Qualität. Und alles live.

Tempo und Erotik

Zwölf fabelhafte Musiker und Sängerinnen sorgten mit fünf kubanischen Tänzern für ein Konzerterlebnis, das, von einer ästhetischen Bühneninszenierung umrahmt, seinesgleichen sucht. Mit seinem musikalischen Leiter Christoph Pependieck, der mit feinem Gespür für Tempo, Erotik und Gemütlichkeit die Show entwarf, gibt der tiefenentspannte Rossi dem Bewusstsein für Qualität in diesem Genre einen kreativen Reiz und präsentiert eine Facette, die sich hinter anspruchsvollen Produktionen amerikanischer Prägung nicht verstecken muss.

Zwei Stunden Spaß und der vehemente Appell, sich die Hüftregionen und die Offenheit für kulturelle Vielfalt nicht vom Alltagsgeschehen versteifen zu lassen, sorgten für große Begeisterung beim Publikum.

Von Andreas Köthe

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