Susan und Sarah Wang beschlossen das Niestetaler Klavierfestival

Liszt im Selbstporträt

Liszt unwiderstehlich: Sarah (links) und Susan Wang bestritten das letzte Konzert beim Niestetaler Klavierfestival. Foto: Malmus

Niestetal. Ein böses Bonmot ist dem Philosophen Friedrich Nietzsche zu Franz Liszt (1811-1886) eingefallen: „Liszt: oder die Schule der Geläufigkeit - nach Weibern.“ Der Komponist und Klaviervirtuose war eben auch als Frauenheld berüchtigt. So gesehen, bieten seine „Réminiscences de Don Juan“ nicht nur eine Kurzfassung von Mozarts Oper. Sie sind auch ein unwiderstehliches Selbstporträt.

Am letzten Abend des 8. Internationalen Niestetaler Klavierfestivals setzte Liszts Opernfantasie in der Version für zwei Klaviere einen aufregenden Akzent.

Die Zwillingsschwestern Susan und Sarah Wang erschütterten mit den düsteren Akkorden der Komtur-Szene, variierten das lockende Duett „Reich mir die Hand, mein Leben“, brachten die Champagnerarie zum Sprudeln. Geballte feminine Kompetenz für ein tönendes Denkmal des Machismo. Davor und danach servierten die mehrfach preisgekrönten Amerikanerinnen den 200 Gästen musikalische Delikatessen. So eingangs Mozarts Larghetto und Allegro Es-Dur, das Abbé Maximilian Stadler nach dessen Tod vollendet hat - eine vor Geist sprühende Musik.

Anmutig tänzerisch gaben sich Samuel Barbers „Souvenirs“ für Klavier zu vier Händen, bevor George Gershwins „An American in Paris“ an zwei Klavieren seine Reise antrat - inbegriffen städtische Turbulenzen und feine gallische Akkorde. Zuletzt brachten die Schwestern ihr präzises Zusammenspiel mit einem Strawinsky-Tango nochmals bestens zur Geltung.

Was ebenso positiv zu vermerken ist: Beim Publikum stieß das Festival im evangelischen Gemeindehaus Niestetal-Sandershausen auf große Resonanz, es war ein weiterer Erfolg des Konzert-Organisators Friedrich Luncke.

Von Georg Pepl

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