Ein Schwerpunkt ist die Lage in Osteuropa

Der Literarische Frühling beginnt

Mit einer Lesung von Sibylle Lewitscharoff startet am Samstag das fünfte Festival Literarischer Frühling in Waldeck-Frankenberg.

Es ist jedes Jahr aufs Neue bemerkenswert, wenn nicht sensationell, welche prominenten Autoren und Schauspieler der Literarische Frühling in den Landkreis Waldeck-Frankenberg bringt.

Wilhelm-Raabe-Preisträger Thomas Hettche

In der fünften Auflage, die Samstag mit einer Lesung von Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff auf Schloss Waldeck beginnt, sind es etwa Mario Adorf und Iris Berben. Romane des aktuellen Wilhelm-Raabe-Preisträgers Thomas Hettche, von Lewitscharoff, Charles Lewinsky und Nino Haratischwili, zeitweilig Hausautorin am Deutschen Theater in Göttingen, standen auf der jüngsten Auswahlliste des Deutschen Buchpreises. Reiner Stachs hochgelobte Kafka-Biografie war für den NDR-Sachbuchpreis nominiert. Axel Hacke, Adriana Altaras und Hanns Zischler sind als wunderbare Vorleser bekannt. Diese Liste ließe sich fortsetzen.

Schauspieler Hanns Zischler

Wie kommen all diese Schriftsteller zu der vom Landhaus Bärenmühle (Frankenau) und den Hotels Die Sonne (Frankenberg) und Schloss Waldeck veranstalteten Reihe? Teils durch Kontakte von Festival-Initiatorin Christiane Kohl. Die ehemalige Redakteurin von „Spiegel“ und „Süddeutscher Zeitung“ ist selbst Autorin („Das Zeugenhaus“). Teils, weil sich die Literatur-Woche in der gut vernetzten Szene rumspricht. Und: Wer da war, kommt wieder - nicht nur die Festival-Schirmherren Adorf und Büchner-Preisträger F.C. Delius. Wegen des tollen Ambientes und weil ihnen das Publikum an den Lippen klebt - konzentrierter als in Großstädten. Aber auch, weil sie spüren, dass es nicht nur darum geht, irgendwelche Promis zu holen. Sondern, so Kohl, weil es einen inhaltlichen roten Faden gibt, weil aktuelle Themen historisch verortet werden: „Die Autoren spüren diesen Spirit.“

Autorin Nino Haratischwili

Schwerpunkte diesmal sind die Lage in Osteuropa, Krieg und Heimatlosigkeit, das Wandern und Unterwegssein. Erwartet werden etwa Ex-Außenminister Klaus Kinkel und der renommierte polnische Historiker Wlodzimierz Borodziej. Der Familienroman der aus Georgien stammenden Nino Haratischwili umspannt die Zeit von der Russischen Revolution bis heute, Zischler wird auf Schloss Friedrichstein - das im Dreißigjährigen Krieg umkämpft war - aus dem „Simplicissimus“ lesen. Flüchtlinge, Epidemien - „das ist das Vorbild dessen, was wir heute wieder beobachten“, sagt Kohl.

Als Erfolgsrezept nennt Kohl auch die hervorragenden Moderatoren wie FAZ-Literaturchefin Felicitas von Lovenberg, Ex-„SZ“-Chefredakteur Hans Werner Kilz und Denis Scheck (ARD, Deutschlandfunk).

Der Literarische Frühling ist in mancher Hinsicht einmalig. Er hat Veranstaltungen für Schüler im Angebot, Lesungen an ungewöhnlichen Orten (die mit Udo Samel in einem historischen Kälberstall ist längst ausgebucht) und mit festlichem Dinner. Und: Das Festival kommt ohne Zuschüsse aus, ist vollständig privat organisiert und finanziert. „21 Firmen stehen hinter uns wie ein Mann“, sagt Kohl, „die haben alle erkannt, dass das Festival gut ist - für sie selbst und die Region.“

Festival-Tipps  

Höhepunkte wie der Besuch von Iris Berben im Frankenberger Thalia-Kino, die Lesungen des Kinderbuch-Autors Andreas Steinhöfel, von Adriana Altaras, Axel Hacke oder das Gespräch in der ungewöhnlichen Konstellation des Filmproduzenten, Moderators und Schriftstellers Hubertus Meyer-Burckhardt mit „SZ“-Journalist Willi Winkler sind ausverkauft. Karten gibt es unter anderem noch hier:

Hanns Zischler & Grimmelshausen: Mit Tod und Teufel auf Du und Du. Zischler, Schauspieler, Fotograf und Autor, demonstriert die traurige Aktualität des Dreißigjährigen Kriegs. 17. April, 16 Uhr, Barocksaal von Schloss Friedrichstein. Eintritt 16,60 Euro. Am 18. April, 11 Uhr, stellt er im Landhaus Bärenmühle seine Erzählung „Das Mädchen mit den Orangenpapieren“ vor (Eintritt 19,90 Euro).

Thomas Hettche: Pfaueninsel. Lesung, 4-Gang-Menü, Hotel Die Sonne Frankenberg, 17. April, 20 Uhr, Karten: 63,90 Euro.

Friedrich Christian Delius und Denis Scheck: Tanz durch die Stadt - und die Republik. Literaturkritiker Scheck befragt den u.a. in Korbach aufgewachsenen Schriftsteller nach seinem fünf Jahrzehnte umfassendem Werk. Hotel Schloss Waldeck, Sonntag, 19. April, 11 Uhr. Eintritt: 19,90 (mit Brunch 28,70) Euro.

HNA-Kartenservice: Tel. 0561/203204, alle Termine/Tickets: www.literarischer-fruehling.de

Schreibworkshop 

Verbunden ist der Literarische Frühling immer mit einem Schreibworkshop für Autoren. Sie können die Chance ergreifen, sich mit ihren Fragen an einen Profi zu wenden, der über viele Jahre bewiesen hat, dass er sein Handwerk beherrscht. Geleitet wird er dieses Jahr von Charles Lewinsky.

Der 68 Jahre alte gebürtige Zürcher sagt von sich, er wolle „immer das ausprobieren, was ich noch nie gemacht habe“. Roman, Sitcom, Musical - Lewinsky hat sich in den unterschiedlichsten Disziplinen getummelt, Lieder und TV-Sketche, Krimis, Theaterstücke und die Serie „Fascht e Familie“ mit 100 Folgen fürs Schweizer Fernsehen verfasst. 2006 hatte er einen riesigen Erfolg mit dem Roman „Melnitz“, einer jüdischen Familiengeschichte zwischen 1871 und 1976. Im Landhaus Bärenmühle präsentiert er seinen jüngsten, hochgelobten Roman „Kastelau“. Seine Frau Ruth Lewinsky wird mit Barbara Frank die Textcollage „Überschreitungen“ vorstellen.

Für die drei Unterrichtseinheiten (17., 18.,19. April jeweils von 12 bis 17 Uhr) sind noch Plätze frei.

Kontakt: Landhaus Bärenmühle, Tel. 06455/759040, info@baerenmuehle.de, Gebühr 350 Euro inklusive Snacks, Essen, Getränken.

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