Literarischer Frühling mit Katja Eichinger und Hubertus Meyer-Burckhardt

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Zwei Prominente mit nordhessischen Wurzeln: Autorin Katja Eichinger und Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt auf Schloss Waldeck. Foto:  Katharina Jaeger

Mit sieben Jahren lernte Katja Eichinger die Macht der Bilder kennen. Ihr Vater war Unfallsachverständiger und hatte einen Stapel Fotos von einem brennenden Auto in Arbeit. Im Labor waren die Bilder durcheinandergeraten und so engagierte er sein Töchterchen, gab ihr fünf Mark - das erste selbstverdiente Geld - und bat sie, die Bilder der Reihenfolge nach zu ordnen.

Beim Literarischen Frühling auf Schloss Waldeck erinnerte sich die Buchautorin, Journalistin, Filmwissenschaftlerin und Witwe des Filmproduzentin Bernd Eichinger, wie sie im Kinderzimmer viele Fotos von Feuer um sich herum ausbreitete und mit akribischem Blick analysierte, wie sich die Flammen auf den Bildern immer mehr ausbreiten.

Die gebürtige Kasselerin (42) präsentierte ihren Roman „Amerikanisches Solo“ und plauderte mit dem Kasseler Moderator und Filmproduzenten Hubertus Meyer-Burckhardt (57) über Kindheit in Nordhessen, die Filmwelt und das Schreiben. Das Publikum im ausverkauften Saal erlebte einen lockeren, persönlichen und toll gestalteten Abend.

Das Buch stand dabei nicht im Vordergrund, immer wieder las Eichinger kurze Partien vor, man sprach ein wenig über den Protagonisten Harry, einen Jazzsaxofonisten mit Realitätsverlust, über Los Angeles („die Hauptstadt der Narzissmus-Kultur“), wo der Thriller angesiedelt ist - nicht zufällig genau in der Gegend, in der die Autorin sich während der kreativen Schreibphase eingemietet hatte.

Vorlesen ist nicht so ihre Stärke, bekannte Katja Eichinger, sie hatte mit ihrem Mann oft trainiert, um ihre Angst davor zu überwinden. Die womöglich noch aus den Schultagen am Kasseler Friedrichsgymnasium herrührt, wo ihre öffentliche „Wilhelm Tell“-Lektüre in die Hose gegangen war. Meyer-Burckhardt erinnerte sich prompt an dieselbe Deutschlehrerin aus seinen eigenen Schultagen.

Für die heranwachsende Katja wurde das Kino zum Fenster in andere Welten. Nach dem „Dschungelbuch“ interessierte sie sich als Teenager für David Lynchs Thriller „Black Velvet“. „Ich schminkte mich extra, um an der Kinokasse älter auszusehen, der Film war ja ab 18“. Nach dem Abitur zog sie zum Studium nach London, tauchte so tief in die englische Sprache ein, dass sie bis heute in Englisch denkt. „Ich musste in Deutschland später erst lernen, wie die deutsche Erwachsenensprache geht“, erzählte die 42-Jährige. „Ich bin in England erwachsen geworden, Worte wie Kontoauszug kannte ich auf Deutsch nicht.“

Heute wohnt sie mal in München („die Schwere des alten Europas“), mal in Los Angeles, wo sie den ständigen Wandel der Stadt, die aus billigen Holzhäusern besteht, befreiend findet. Und sie hat schon den ersten Satz eines neuen Romans geschrieben. Es wird eine wilde Weihnachtsgeschichte.

Katja Eichinger: Amerikanisches Solo. Metrolit, 256 Seiten, 19,90 Euro,

Festival Literarischer Frühling in Waldeck-Frankenberg noch bis 6. April. Donnerstag liest ab 19 Uhr Hans Pleschinski im Hotel Die Sonne Frankenberg. www.literarischer-fruehling.de

Von Bettina Fraschke

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