Schlagzeilen aus der literarischen Welt

Die Erfolgreichen und die Betrauerten: Rückblick auf das Literaturjahr 2016

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Auch als Nobelpreisträger ein Rebell wider Willen: Bob Dylan nahm die Auszeichnung in Stockholm nicht persönlich entgegen. 

Sänger Bob Dylan erhielt die wichtigste Auszeichnung für Schriftsteller und blieb der Verleihung fern. Ein Rückblick auf Schlagzeilen der literarischen Welt 2016.

Wieder mal sorgt Harry-Potter-Erfinderin Joanne K. Rowling für den Bestseller des Jahres. Mit dem Skript zum Londoner Theaterstück, in dem der erwachsene Potter als überarbeiteter Beamter im Ministerium für Zauberei beschäftigt ist, erzielt die 51-Jährige ihre sechste Top-Platzierung nach 2000, 2001, 2003, 2005 und 2007. Die englische Originalausgabe folgt auf dem Fuß. Andere Nachrichten des Literaturjahrs waren überraschender.

Der Nobelpreis

Zum Beispiel, dass Bob Dylan tatsächlich den Nobelpreis für Literatur bekommt. Die Schwedische Akademie ordnet den begnadeten Songschreiber in die Tradition eines Homer ein, der auch schon als Barde mit seinen Werken aufgetreten sei. Der 75-Jährige habe „neue poetische Ausdrucksformen“ geschaffen. Dylan-Fans jubeln, Literaturkritiker wie Denis Scheck oder Sigrid Löffler finden die Wahl einen „Witz“ und eine „fantastische Fehlentscheidung“.

Der Preisträger, stets eher Rebell wider Willen, jetzt immerhin nochmal 800.000 Euro reicher, spielt erstmal ein Konzert in Las Vegas, ohne sich überhaupt zu äußern, und reist nicht nach Stockholm – bis heute rätselt die Welt, welche „andere Verpflichtungen“ ihn abhielten. Patti Smith singt bei der Gala den Dylan-Song „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ und gerät ins Stocken, weil sie so aufgeregt ist.

Deutsche Preisträger

Guntram Vesper

Während der Schwede Per Svensson die „Trumpifizierung des Nobelpreises beklagt“, setzen sich hierzulande zwei Altmeister durch: Guntram Vesper (75) gewinnt für den 1000-Seiten-Roman „Frohburg“, in dem er große Geschichte akribisch-detailreich mit der seines sächsischen Geburtsorts und seiner Familiengeschichte verwebt, den Preis der Leipziger Buchmesse. „Ein lebenssattes Buch“, so sein Laudator.

Für Bodo Kirchhoff ist der Deutsche Buchpreis die Krönung des Lebenswerks. Die Novelle „Widerfahrnis“ vereint wichtige Motive des 68-Jährigen – die Liebe, das Altern. Dann taucht noch ein stummes Flüchtlingsmädchen auf.

Marcel Beyer bekommt den Georg-Büchner-Preis, Sharon Dodua Otoo erzählt aus der Perspektive eines Frühstückseis und gewinnt das Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis. Carolin Emcke hält als Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels eine aufrüttelnde Rede gegen Hass, Ausgrenzung und Fanatismus.

Und dann waren da noch...

• der Journalist, der die Identität der italienischen Bestsellerautorin Elena Ferrante („Meine geniale Freundin“) enthüllt. Die hatte angekündigt, in diesem Fall mit dem Schreiben aufzuhören. 

• der Ankauf der nahe Los Angeles gelegenen Thomas-Mann-Villa durch den deutschen Staat. 

• die Grundsteinlegung für ein Museum der Romantik neben dem Goethe-Haus in Frankfurt. 

• der Verkaufsstart der neuen Lutherbibel. 

• ein Umsatzrückgang des Buchmarkts auf 9,2 Mrd. Euro (minus 1,4 Prozent) mit einer Stagnation bei den E-Books.

Sie starben 2016

„Nur ein paar Verleger und einige Journalisten glauben, dass die Leute einfache Sachen wollen. Die Leute haben einfache Dinge satt. Sie wollen gefordert werden.“ Umberto Eco, Professor für Semiotik (Zeichentheorie) in Bologna, der das 2011 sagte, ist mit dieser Devise gut gefahren - sein anspruchsvoller Mittelalter-Roman „Der Name der Rose“ (1980) wurde zum Bestseller. Der Italiener zählt zu den prominenten Toten, um die die Literaturwelt 2016 getrauert hat.

Gestorben sind in diesem Jahr auch die US-Amerikanerin Harper Lee, die mit einem einzigen Buch - „Wer die Nachtigall stört“ - Weltruhm erlangte, der Autor und TV-Moderator Roger Willemsen, Hermann Kant („Die Aula“), viele Jahre Vorsitzender des DDR-Schriftstellerverbandes, die Literaturnobelpreisträger Dario Fo und Imre Kertész („Roman eines Schicksallosen“), die Wiener Schriftstellerin Ilse Aichinger, der Schwede Lars Gustafsson, der Ungar Péter Esterházy, die Historiker Fritz Stern und Ernst Nolte sowie Journalist und Autor Klaus Harpprecht.

Die erfolgreichsten Bücher 2016

Stationärer Handel:

1. John Strelecky: Das Café am Rande der Welt

2. Jojo Moyes: Über uns der Himmel, unter uns das Meer

3. Sebastian Fitzek: Das Paket

4. Jojo Moyes: Ein ganzes halbes Jahr

5. Robert Seethaler: Ein ganzes Leben

6. Jojo Moyes: Ein ganz neues Leben

7. Lucinda Riley: Helenas Geheimnis

8. Jean-Luc Bannalec: Bretonische Flut

9. Fredrik Backman: Ein Mann namens Ove

10. Sebastian Fitzek: Passagier 23

Online-Handel:

1. J. K. Rowling: Harry Potter und das verwunschene Kind

2. J. K. Rowling: Harry Potter and the Cursed Child - Parts I & II

3. Helmut Köhler: Bürgerliches Gesetzbuch BGB

4. Keri Smith: Mach dieses Buch fertig

5. Jeff Kinney: Gregs Tagebuch 11 - Alles Käse!

6. Susanne Grüneklee: Smoothies, Shakes & Co.

7. Reinhard Richardi: Arbeitsgesetze

8. Wolfgang Hefermehl: Handelsgesetzbuch HGB (...)

9. Corinna Wild: Mix ohne Fix!: Lieblingsgerichte aus dem Thermomix

10. Wolfgang Herrndorf: Tschick

Quelle: Thalia (stationär), Amazon (Online-Handel)/dpa

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