Bossa-nova-Sängerin Céline Rudolph begeisterte

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Gefühlvoll: Céline Rudolph im Theaterzelt in Vellmar.

Vellmar. Wie gern wäre man ein kleines Gnu gewesen am Ende von Céline Rudolphs großartigem Konzert am Sonntagabend bei Sommer im Park in Vellmar. Sie verabschiedete die hundert begeisterten Zuhörer mit einem Gute-Nacht-Lied von Chanson-Komponist Henri Salvador, dem sie einen neuen Text gegeben hat.

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Das komplette Programm des Festivals

Um den afrikanischen Charakter zu betonen, singt sie darin nicht vom Rehkitz, sondern vom Löwen, Krokodil und eben dem kleinen Gnu. Dazu erzählt sie, wie sie mit diesem Titel „Eine kleine Weise“ ihre beiden Söhne ins Bett bringt. Intimer Abschluss eines sehr persönlichen, vielseitigen Konzertes der außergewöhnlichen Jazzsängerin.

Céline Rudolph hat es in den vergangenen Jahren zu der deutschen Institution des Bossa nova gebracht. Gelassen-geschmeidig singend, mit kunstfertigen Vokalisen, also gesungenen, textlosen Silben, und kreativen Kompositionen. Neuestes Projekt ist eine Hommage an den karibisch-französischen Chansonnier Henri Salvador (1917-2008), der als Gott des brasilianischen Bossa nova gilt. Céline Rudolph (die somit seine deutsche Prophetin ist) und ihre Musiker Rüdiger Caruso Krause (Gitarre), Peter Fulda (Flügel), Marc Muellbauer (Bass) und Heinrich Köbberling (Schlagzeug) küssen Salvador wach.

Der Vellmarer Auftritt war die erste öffentliche Präsentation des charakterstarken Chanson-Programms. Rudolph hat zu Salvadors Songs neue Texte geschrieben voll zarter Poesie oder hintergründiger Ironie. Kitschig wirkt das nie.

Rudolph erzählt von den Geschichten hinter den Titeln, von ihrer textlichen Aneignung und vom Werdegang der teils jahrzehntealten Titel - so hat einst Lys Assia, die allererste Grand-Prix-Gewinnerin, aus dem schwebenden „Maladie d’Amour“ ein zackiges „Melodie d’amour“ mit typischem Schlagertext („Schuschu Kolibri“) gemacht. Rudolph gibt dem Titel („Liebeskrank“) seine fließende Schönheit zurück - und seine verträumte Melancholie.

„Ticket zum Mond“ lässt ihre glänzend-klare Stimme besonders zur Geltung kommen. Und als ein Höhepunkt gibt es eine Version von Lennon/ McCartneys „Norwegian Wood“, das Rudolph überraschend stimmig brasilianisiert. Als wäre Liverpool von exotischen Vögeln durchflattert.

Heute: Gerd Dudenhöffer, morgen: Michael Kobr und Volker Knüpfel, 20 Uhr; Festzelt, Karten: 0561-203204.

Von Bettina Fraschke

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