Die Lola-Gala: Nur bemüht lustig

Klarer Sieg für „Oh boy“: Sechs Lolas gewann die Tragikomödie mit Tom Schilling (links) und Michael Gwisdek (Zweiter von rechts) von Jan Ole Gerster (rechts außen). Außerdem geehrt: Werner Herzog (Lebenswerk), Barbara Sukowa (beste Darstellerin). Fotos: dpa

Werner Herzog, der in Los Angeles ansässige bayerische Kino-Berserker („Fitzcarraldo“), kam wie ein fremder Gast zur Lola-Verleihung in den Berliner Friedrichstadtpalast, diesem Familientreffen der deutschen Filmschaffenden.

„Ich wusste als Einziger, was auf mich zukommt“, sagte der 70-Jährige, als er für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, ein bisschen doppeldeutig.

Man wusste nicht recht, was Herzog meinte: Nur seinen Ehrenpreis, den der Regisseur durchaus gerührt entgegennahm, oder die zähe, oft nur bemüht komische Veranstaltung, die mit der reichlich wirren Laudatio von Iris Berben - Präsidentin der Deutschen Filmakademie, deren Mitglieder die Lolas vergeben - und dem miserablen Schnitt bei Herzogs Dankesrede einen von vielen Tiefpunkten für den Fernsehzuschauer erreichte.

Es ist leider zu vermuten, dass Berbens Äußerung, die Filmakademie sei die „größte, schönste und kompetenteste Jury des Universums“, nicht überall als selbstironisch aufgefasst wurde. Andererseits bedurften die 1400 Mitglieder (für die im Anschluss übrigens 800 Flaschen Champagner bereitstanden) tatsächlich der Nachhilfe der Sat.1-Komödiantin Annette Frier („Danni Lowinski“): „Wir üben jetzt mal Freude.“ Immer wieder sah man angesichts missglückter Lobhudeleien (wie von Florian David Fitz „im Zeichen der Sexismus-Debatte“), gestammelter Dankesworte und der bestenfalls unauffälligen Moderation von Mirjam Weichselbraun gleichsam schockgefrostete Gesichter im Publikum.

„Oh Boy“, konnte man da mit dem Siegerfilm, der melancholischen Berliner Studienabbrecher-Tragikomödie von Jan Ole Gerster, nur sagen: Junge, Junge.

Es waren die Alten, die für große, witzige, wirklich würdevolle Momente sorgten, ob Christine Schorn (69) mit knochentrockenem Humor, Michael Gwisdek (71, der sich gegen den ebenfalls nominierten Sohn Robert durchsetzte) mit einer urkomischen oder Barbara Sukowa (63) mit einer berührenden Rede, in der sie Regisseurin Margarethe von Trotta in den Mittelpunkt stellte. Kinoregie-Debütant Gerster hingegen wusste nicht, was er sagen sollte: „Klatscht mich bitte von der Bühne runter.“

Kein Wunder, nur 300 000 Euro hat sein kleiner, melancholischer Schwarz-Weiß-Film gekostet - nun wurde er mit sechs Lolas prämiert. Der mit 100 Mio. Euro teuerste deutsche Film aller Zeiten, die internationale Produktion „Cloud Atlas“ mit Tom Hanks und Halle Berry, gewann fünf Lolas, allerdings nur in Nebenkategorien, Regisseur Tom Tykwer ging leer aus.

Die wichtigsten Preisträger

Bester Spielfilm: Goldene Lola (500 000 Euro): „Oh Boy“ von Jan Ole Gerster - Silberne Lola (425 000 Euro): „Hannah Arendt“ von Margarethe von Trotta - Bronzene Lola (375 000 Euro): „Lore“ von Cate Shortland

Beste weibliche Hauptrolle (10 000 Euro): Barbara Sukowa („Hannah Arendt“)

Beste männliche Hauptrolle (10 000 Euro): Tom Schilling („Oh Boy“)

Beste weibliche Nebenrolle (10 000 Euro): Christine Schorn („Das Leben ist nichts für Feiglinge“)

Beste männliche Nebenrolle (10 000 Euro): Michael Gwisdek („Oh Boy“)

Beste Regie (10 000 Euro): Jan Ole Gerster („Oh Boy“)

Bestes Drehbuch (10 000 Euro): Jan Ole Gerster („Oh Boy“)

Bester Dokumentarfilm: (200 000 Euro): „More Than Honey“ von Markus Imhoof

Bester Kinderfilm: (250 000 Euro): „Kaddisch für einen Freund“ von Leo Khasin

Beste Kamera/Bildgestaltung (10 000 Euro): John Toll, Frank Griebe („Cloud Atlas“)

Beste Filmmusik (10 000 Euro): The Major Minors, Cherilyn MacNeil („Oh Boy“)

Ehrenpreis (undotiert): Werner Herzog

Publikumspreis: „Schlussmacher“, Matthias Schweighöfer

Von Mark-Christian von Busse

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