Otto Heinrich Kühner vor 90 Jahren geboren

Lorbeer ernten mit scharfer Komik

Otto Heinrich Kühner Foto: Peitsch

Kassel. „Eine Stadt, nicht zu groß, als dass man seine Künstler nicht wahrnähme, aber auch nicht zu klein, als dass der Lorbeer, den sie verteilt, nicht ehrenvoll wäre“, so beginnt der Schriftsteller Otto Heinrich Kühner eine Lobrede an seine Wahlheimat Kassel. Er kam 1966 der Liebe wegen und lebte hier bis zu seinem Tod 1996 an der Seite seiner Frau und Kollegin Christine Brückner.

Vieles von Kühners Werk und Leben erinnert man aus Erzählungen der erfolgreichen Autorin. Damit sorgte sie in den Jahren seiner schweren, von schwindender Schaffenskraft begleiteten Krankheit mit dafür, dass er in der Öffentlichkeit präsent blieb. Sie hat seine humoristischen Pummerer-Verse herausgeben, für die Veröffentlichung seines letzten Romans „Mein Eulenspiegel“ (1991) gesorgt, seine Malerei bekannt gemacht, über seinen Erstling, den Tagebuchroman „Nikolskoje“ (1953) und sein berühmtes Hörspiel „Die Übungspatrone“ (1950) geschrieben. Gemeinsam hat man eng zusammen gelebt und gearbeitet, Projekte von Büchern bis zur Literaturstiftung realisiert, sich gegenseitig unterstützt - ohne Kühner ist auch das Werk Christine Brückners nicht denkbar.

Vieles aber, das den Künstler Kühner ausmacht, blieb in den Mitteilungen seiner Frau abgeblendet: seine enorme Produktivität, die er schon vor seiner Kasseler Zeit in Stuttgart entfaltete, wo er als Autor, Lektor und Dramaturg beim SDR Hörspielgeschichte schrieb, sein Ansehen als Mitglied der Gruppe 47, seine Erzählungen und weiteren Romane, die sich - wie etwa das grandiose Buch „Lebenslauf eines Attentäters“ (1975) - durch eine so artistische wie scharfe Komik auszeichnen.

Otto Heinrich Kühner stammt aus einem Pfarrhaus in Nimburg am Kaiserstuhl. In dieser weltanschaulichen Herkunft gründet auch - aller menschlichen Unzulänglichkeit zum Trotz - seine Zuversicht in die „Verlässlichkeit der Ereignisse“ und die poetische Befreiung von der Diktatur der Fakten.

Unser Autor Friedrich W. Block (51, verheiratet, drei Kinder) ist promovierter Literaturwissenschaftler. Er ist geschäftsführender Kurator der Stiftung Brückner-Kühner.

Von Friedrich W. Block

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