Die Jazz-Großmeister von Incognito luden im Kulturzelt zum entspannten Mitwippen ein

One Love - Das große Wir-Gefühl

Hat den Jazz im Blut: Die Incognito-Sängerin Maysa Leak.

Kassel. „One Love - Let’s get together“: Die dritte Zugabe kam aus der Konserve - ein schöner Trick, um sich nach fast zwei schweißtreibenden Stunden von den Jubelnden zu verabschieden, die gerne noch mehr gehört hätten. Mit dieser kleinen Hommage an den großen Bob Marley zelebrierten Incognito noch einmal das Wir-Gefühl, Love and Peace, Clap your hands, Dance und alle Menschen sind Brüder.

Mit neun Kollegen stand Bandgründer Jean-Paul ,Bluey’ Maunick (Gitarre) auf der Kulturzelt-Bühne. Maunick, der sich dezent im Hintergrund aufhielt, ist so ziemlich die einzige personelle Konstante bei Incognito. Musikalisch ist sich die Formation seit dem Debüt-Album „Funk Jazz“ treu geblieben. Der Titel dieser 1979 aufgenommenen Platte ist ebenso programmatisch wie der von Ornette Colemans Jahrhundert-Album „Free Jazz“ von 1960, das gewissermaßen den absoluten Gegenpol bildet.

Ging es bei Coleman um die Erweiterung der harmonischen Möglichkeiten, bis hin zu deren Auflösung, ist das rhythmische, alles zusammenhaltende Fundament bei Incognito alles. Funky Bassläufe, treibende, präzise auf den Punkt gespielte Drums, perlende E-Piano-Sounds, eine aus Posaune, Trompete und Saxofon gebildete Bläsersektion, aus der sich immer mal wieder kurze, mitreißende Soli herausschälen und natürlich die Gesangsformation: Hier nun Tony Momrelle, Joy Rose und die exzellente amerikanische Jazz-Sängerin Maysa Leak.

Das Motto hieß: „Let’s have a Party“. Es ging locker zur Sache. Wobei Incognito nicht für den harten Funk steht (wie ihn etwa die zeitgleich gegründete New Yorker Formation Defunkt verkörpert), sondern vielmehr für den After-Hours-Soul-Sound der 80er-Jahre, der eher zum relaxten Mitwippen einlädt als zum exstatischen Ausflippen.

Gleichwohl: Es wurde heiß im luftgekühlten Kulturzelt, sehr heiß. „Ihr seid der Treibstoff, der das Feuer entfacht“, ruft Maunick dem Publikum zuletzt dankbar zu. Sagen wir so: Man entzündete sich gegenseitig.

Von Andreas Gebhardt

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